Martin Steer
Sonstige - andere
* Nagyszombat, 6. September 1798 – † Nyitra, 4. Mai 1879 / Arzt, Universitätsprofessor; einer seiner Vorfahren floh Mitte des 17. Jahrhunderts vor den katholischen Verfolgungen in Schottland nach Siebenbürgen. Sein Vater, Ferenc Steer (gest. 1806), war Lehrer an der Lateinschule in Nagyszombat. Seine Mutter, Julianna Palsovits (1772–1868), stammte aus einer angesehenen Familie in Nagyszombat: Auch ihr Vater war Senator und Bürgermeister der Stadt. Márton Steer absolvierte Gymnasium und Universität in Wien und promovierte 1824 in Medizin (sein Cousin Ferenc Steer studierte dort mit ihm Pharmazie und eröffnete später eine Apotheke in Košice). Von 1826 bis 1848 war er Professor an der Universität Padua in Italien. 1832 veröffentlichte er eine 55-seitige Abhandlung über die Choleraepidemie in Ungarn (Cenni intorno la natura morbo che infieri nell Ungheria nell anno 1831 il nome Colera Asiatico), in der er mehrere ungarische Ärzte erwähnt. Es ist sogar wahrscheinlich, dass er Ungarn 1831 persönlich besuchte. Im März 1848 kehrte er in seine Heimat zurück (Sándor Dörnyei vermutet, dass die gegen die Österreicher rebellierenden Italiener ihn als pro-österreichischen Ausländer betrachteten, weshalb er beinahe aus Padua geflohen wäre) und ließ sich in Nitra nieder. Ob er dort als Arzt praktizierte, lässt sich nicht beweisen. 1852 beantragte er an der Universität Padua die Wiederaufnahme seiner Lehrtätigkeit, was der Rektor jedoch ablehnte. Noch in Italien interessierte er sich für die Seidenraupenzucht und veröffentlichte 1844 in der Zeitung „Der Ungarische Bauer“ einen Artikel über dieses Thema. 1846 verfasste er zudem eine Broschüre zu diesem Thema mit dem Titel „Der Einfluss der Seidenraupenzucht auf das Wohlergehen von Familien und Gütern. Ein Appell an seine Landsleute“. 1848 legte er dem Ministerium in Pest einen Plan zur Reform des öffentlichen Bildungswesens vor (Nationaler Studienreformplan für Ungarn). Darin befürwortete er unter anderem eine bessere Nutzung der natürlichen Ressourcen und eine stärkere Berücksichtigung der Naturwissenschaften im Bildungswesen. Bemerkenswert ist auch sein Vorschlag, die Sprachen der einzelnen Nationalitäten in den Schulen zu unterrichten. Er sah ein vierstufiges öffentliches Bildungssystem vor: Dorfschule (Grundschule), Bezirksschule, Kreisschule (Gymnasium), regionale Schule (Akademie) und nationale Bildungseinrichtung (Universität). Im Zusammenhang mit der medizinischen Fakultät betonte er die größere Bedeutung der praktischen Ausbildung.