Grabinschrift von Borbála Widman
Friedhöfe, Grabsteine, Gräber
Entlang der Mauern des St.-Martins-Doms sind mehrere Grabsteine und Inschriften zu sehen. Die älteste von ihnen ist die Inschrift von Borbála Widman (Barbara Widman), die am 30. Mai 1549 starb. Gyula Pasteiner schreibt Folgendes über sie: Die Grabinschriften bestehen zumeist aus zwei Feldern, die vom architektonischen Rahmen umschlossen sind. Ein Feld trägt eine ausdrucksstarke Grabinschrift, das andere ein Relief, das den Verstorbenen und seine Angehörigen zeigt, als knieten sie zu Füßen des gekreuzigten oder leidenden Christus und beteten. Die meisten Reliefs sind fein gearbeitet, die Christusfigur zeugt von anatomischen Kenntnissen, der Verstorbene und seine Angehörigen weisen individuelle Merkmale auf, sind überraschend charakteristische Figuren und zeigen realistisch die Kleidung des Adels und des Bürgertums jener Zeit. Vier der Grabsteine in der Krönungskirche in Bratislava gehören zu dieser Gruppe. Das Bronzedenkmal von Borbála Widman stammt aus dem Jahr 1548 und ist das Werk eines künstlerisch weniger versierten Künstlers. In seinem von zwei Renaissancesäulen umschlossenen Feld sitzt der leidende Christus auf einem Sarg, und zu seinen Füßen knien zwei Männer, zwei Jungen, zwei Frauen und vier Mädchen und beten. (Anmerkung: Die Inschrift auf dem Epitaph stammt nicht aus dem Jahr 1548, sondern aus dem Jahr 1549.) Ein Epitaph ist eine dekorative Gedenktafel für einen Verstorbenen, die nicht immer direkt mit dem Grab verbunden ist. Gestaltung und Anfertigung des Epitaphs folgten eigenen Regeln. (Gyula Pasteiner erwähnt dies bereits.) Neben dem Sterbedatum gibt die Inschrift Auskunft über den sozialen Status des Verstorbenen und seiner Familie. Der soziale Rang wird auch durch das doppelte Wappen am unteren Rand angezeigt. Die Familie des Verstorbenen ist in den knienden Trauernden dargestellt. Die Bevölkerung Bratislavas war in dieser Zeit überwiegend deutschsprachig, weshalb die Tafel auf Deutsch (und nicht auf Latein) verfasst wurde.