Ernteparade in Madar
Sonstige - andere
Nach der Ernte, oder zumindest nachdem der Großteil der Arbeit erledigt war, veranstaltete das Dorf einen Erntedankumzug. Dieser diente dazu, die Ernte zu feiern, Traditionen zu pflegen, alte Bräuche zu bewahren und nicht zuletzt Spaß zu haben. Am frühen Morgen des Umzugstages reinigten die Männer die Wagen und die Kutsche und sattelten die Pferde. Die Wagen wurden mit Weinblättern, Trauben und bunten Bändern geschmückt. Außerdem fertigten sie einen Erntekranz aus Weinzweigen und Trauben an. Die Frauen bereiteten Kleidung vor, die an die Trachten der alten Zeit erinnerte. Frauen und Mädchen tanzten in farbenfrohen Faltenröcken, Blusen mit weiten Ärmeln, Kniehosen, Schürzen und Tüchern. Die Männer trugen weiße Leinenhemden und schwarze Hosen, dazu glänzende Lederstiefel und Hüte. Die Haare der Mädchen wurden zu zwei Zöpfen geflochten und mit Bändern in den Nationalfarben geschmückt. Der Festzug begann an einem Ende des Dorfes und zog, so viele Straßen wie möglich besuchend, durch das Dorf. An jeder Ecke und Kreuzung hielt er an, um die Zuschauer mit Tänzen zu unterhalten. Der Kleinrichter ging voran und rief, dass die Zeit für den Ernteumzug gekommen sei und die Dorfbevölkerung feiern solle. Ihm folgten in der Kutsche der Richter und seine Frau, die in der heutigen Zeit durch den Bürgermeister und seine Frau ersetzt wurden. Der Kleinrichter und seine Frau konnten aber auch von einem jungen Paar verkörpert werden. Hinter der Kutsche folgte die Pferdekutsche mit den singenden Frauen, die für gute Stimmung sorgten. Anschließend kamen die Tänzerinnen, die die Zuschauer an den Haltepunkten mit traditionellen Tänzen unterhielten. Währenddessen verteilten die Frauen, die den Festzug begleiteten, Kúcsos an die Menschen, und die Männer boten den Anwesenden neuen Wein an. Den Abschluss des Festzugs bildeten die Roma, die in ihren Trachten die Menschen mit ihren Vorhersagen gegen ein kleines Entgelt unterhielten. Als krönenden Abschluss des Ernteumzugs verkündete der Friedensrichter, dass die Dorfbewohner, die sich vergnügen wollten, zu einem Ernteball am Abend eingeladen seien, wo das Vergnügen bis zum Morgengrauen dauern würde.