Erntetraditionen in Felsőszeli

Erntetraditionen in Felsőszeli

Sonstige - andere

Was ist die Ernte? Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Der sorgsame Bauer erntet die Früchte seiner Arbeit das ganze Jahr über und lagert sie ein, damit auch in den Wintermonaten köstliches Obst oder guter Wein auf dem Tisch steht. Einst fand die Ernte in einer Scheune statt, und nach getaner Arbeit lud der Bauer seine Helfer zu einem Festmahl als Dank ein. Er segnete sie. Die Weinlese ist eine der schönsten, aber auch schwierigsten Arbeiten. Nach der Weinlese wurden in der Gegend, auch in Felsőszeli, große Feste gefeiert. Damit jeder von dem Ereignis erfuhr, fuhr man mit einer Kutsche durch das Dorf, und der Weinprüfer lud die Bewohner zum Ball ein. Dieser Brauch, der immer wieder erweitert wurde, wurde an die jüngeren Generationen weitergegeben und ist heute ein wichtiger Bestandteil des Alltags der über 65-jährigen Csemads. Der Ernteumzug ist ein großes Ereignis, dessen Vorbereitungen und zweitägige Feierlichkeiten Jung und Alt des Dorfes gleichermaßen begeistern. Die Weinlese und -verarbeitung zählte schon immer zu den schönsten Arbeiten. Auch deshalb werden in der heutigen Zeit die Erntetraditionen von Kulturvereinen immer wieder neu belebt, selbst dort, wo die Trauben nur in kleinen Gärten wachsen. Der Ernteumzug und die ausgelassenen Feierlichkeiten sind seit Langem ein charakteristisches Ereignis der Region. Zwar ist Felsőszeli nicht direkt für seinen Weinbau bekannt, doch der Name Szőlős findet sich noch immer in den Weinbergsnamen, was beweist, dass auch diese Region eine lange Weinbautradition hat. Deshalb kommen wir alle gerne dorthin, um die reiche Ernte zu feiern. Die Chronik von Csemadok berichtet bereits Mitte der 1950er Jahre, dass der Winzer, begleitet von seinen Helfern, in einer geschmückten Kutsche mit einem Ausrufer durch das Dorf fuhr und die Bewohner zum abendlichen Ball anlässlich des erfolgreichen Abschlusses der Weinlese einlud. Diese Tradition wurde in den 1970er Jahren von der Kulturorganisation wiederbelebt und ab Mitte der 1980er Jahre mehrmals wiederholt. Schließlich wurde sie auf Anregung von Vorstandsmitglied Béla Deák erneut organisiert, und erfreulicherweise führt der Csemadok seit 2000 das traditionelle Erntedankfest regelmäßig und ununterbrochen fort und bereichert es stets mit neuen Elementen. So kann man sagen, dass die Kulturgruppen und ihre Gäste in diesem Jahr zum 15. Mal durch das Dorf zogen. Der Vollständigkeit halber seien nun die Vorbereitungen und die Einladungsmethode näher erläutert. Die Csemadok-Leitung beginnt die Planung der Veranstaltung im Frühjahr, da der Termin mit den Teilnehmern – den Gesangsgruppen, dem Tanzensemble, dem Kulturzentrum und dem Nyerges Polgári Társulas – abgestimmt werden muss. Die berittene Bandérium ist eines der wichtigsten Elemente des Erntedankfestes. Ohne die Unterstützung der Csemadok Felsőszeli Basisorganisation wäre es nicht möglich, diese originelle Idee jedes Jahr umzusetzen. Am Tag vor dem Umzug findet alle zwei Jahre das Pflaumen-Mohn-Fest statt, bei dem auch Mitglieder des Expeditionsteams beim Backen helfen. Mohnscone, Pflaumen-Mohn-Kuchen und Keszőcés-Kuchen sind lokale Spezialitäten. Sie werden nachmittags gemeinsam mit den Chormitgliedern zubereitet und dann am Tag des Umzugs den Zuschauern in der Dorfmitte angeboten. Der Erntedankumzug: Das Gemeindezentrum und seine Umgebung erwachten um acht Uhr morgens zum Leben. Junge Leute in Trachten versammelten sich vor dem Gebäude. Kurz darauf trafen die Gäste ein. Mitglieder der lokalen Tanzgruppe Mátyus schmücken die allegorischen Festwagen. Die Rozmaringer Gesangsgruppe stellt Kuchen, Keszőcés-Törtchen und Scones auf die Tische im Hauptsaal. Die Mädchen und andere fleißige Helfer richten die köstlichen Trauben und Äpfel auf den Tellern an. Auf der Bühne haben die Männer eine Weinlaube aufgebaut, in der die Gewinnerfigur des letztjährigen Malwettbewerbs, ein Winzer beim Traubenstampfen, ihren Platz finden wird. Über dem Eingang des Gemeindezentrums hängt eine riesige Weintraube, Symbol der Ernte, die von kleinen Lampen beleuchtet wird. Die Darsteller nehmen auf den mit Weinblättern und Bändern geschmückten Festwagen Platz. Den Anfang machen die Tänzer von Mátyus und Deák, dann die Tanzgruppe Darnózsel, anschließend die Bläser aus Kaposszekcső und schließlich bildet der Wagen der Rozmaringer Gesangsgruppe den Abschluss des Festzugs. Die 15-köpfige Kavalleriekapelle formierte sich bald, dann folgten der Herold und die Kutsche des Winzers mit der Dorffahne, dann die Figur der lebenden Traube, begleitet von Tänzerinnen, und schließlich die Vorjahressiegerin unter den diesjährigen Kandidatinnen. Es würde den Rahmen sprengen, diesen farbenprächtigen Umzug auch nur annähernd zu beschreiben! Ein wahrhaft prächtig geschmückter Zug marschierte durch die Straßen des Dorfes. Etwa 120 Personen nahmen an dem Umzug teil. Der erste Reiter hatte die Straßen auf einer Karte eingezeichnet, wo der Umzug verlaufen und wo getanzt werden sollte. So verlas der Winzer bei strahlendem Sonnenschein vor dem Gemeindehaus in Anwesenheit des Bürgermeisters und der anderen Gäste die poetische Einladung. Der Hornist verkündete mit einem lauten Ton den Beginn des Umzugs. Die Bläser spielten mit, und die Sänger trugen Erntelieder vor. Die Tänzer lockten die Menschen mit Tänzen an etwa acht Stationen zum abendlichen Ball. Die Zuschauer bieten den Teilnehmern Trauben, Scones und Erfrischungsgetränke an. Die Veranstaltung findet in fröhlicher Atmosphäre statt. Das ganze Dorf erwartet die Teilnehmer. Viele Kinder folgen dem Umzug auf Fahrrädern. Das Publikum applaudiert lächelnd der humorvollen Einladung des Ansagers. An diesem Nachmittag stehen gute Laune, Gesang und Tanz im Mittelpunkt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Durchführung all dessen durch das Wissen bestärkt wird, dass unsere Großväter es genauso gemacht haben. „Eine schöne Begebenheit ist ebenfalls erwähnenswert. Zu Beginn wünschte uns Onkel Kálmán Pónya, ein ehemaliges Gründungsmitglied, viel Glück. Er war mit siebzig Jahren gekommen, um den Umzug zu beobachten, gestützt auf einen Stock, denn vor 50 Jahren war er der erste Reiter! Nun hat er auch seinen Urenkel mitgebracht, der sich beim Anblick der Pferde freute. Onkel Kálmán bat mit Tränen in den Augen um ein gemeinsames Foto mit den Sängern, um es neben die Bilder des alten Fohlens in sein Album zu kleben“, erzählte Magdolna Mészáros, die die Szene damals fotografierte. Die Teilnehmer des Umzugs kehren üblicherweise am Nachmittag ins Kulturzentrum zurück, wo ein köstliches Gulasch auf sie wartet. Nach dem Abendessen bereiten sie sich auf den abendlichen Ball vor. Mit Einbruch der Dunkelheit treffen die Gäste ein, und die Eintrittskarten für „Szüret Szépe“ gehen langsam zur Neige. Die Kapelle nimmt ihre Plätze auf der Bühne ein. Nach dem Eröffnungstanz beginnt der Ball, der bis zum Morgengrauen dauert. Der traditionelle Erntedankumzug wird von zahlreichen Veranstaltungen begleitet, die dieses Herbstfest noch unvergesslicher machen. Die Kutschen sind entlang der Straße festlich geschmückt. Trauben und Weinblätter zieren die Fahrzeuge. Die Reiter führen den Umzug in einer Kutsche vom Gemeindezentrum ins Dorfzentrum. Vor dem Restaurant Zely halten Gesangs- und Tanzgruppen für Auftritte. Im Dorfzentrum singt üblicherweise der örtliche Gesangsverein Rozmaring im Rahmen des einstündigen Programms. Es gibt immer Gastgruppen, wie den Chor Őszirózsa aus dem befreundeten Darnózseli oder den Chor der Grundschule Csalogány, der der Einladung ebenfalls gerne folgt. Unter den Tanzgruppen waren auch die Tanzgruppe Szigetköz aus Darnózseli, die Tanzgruppe Mátyus, die Schultanzgruppe Höcögők und die Blaskapelle Kaposszekcső dabei. Die Tanzgruppe Gazdász aus Mosonmagyaróvár feierte letztes Jahr große Erfolge. Auch die Volkstanzgruppe Rozmaring aus Abaújszina, der gemischte Chor Rozmaring aus Hárskút und der Frauenchor Bacska trugen zum Programm bei. Dieses Jahr spielte außerdem das lokale Zitherorchester Kikelet mitten im Dorf. Ein Traubenkranz, der stets von einigen Tänzern getragen wird, führt den Umzug an. Ihnen folgen die Nyerges-Reiter. Die Tanz- und Gesangsgruppen sitzen auf den Wagen. Die Fußgänger, die keinen Platz mehr auf den Wagen fanden, gehen dahinter. Die Teilnehmer tragen traditionelle Trachten. Auch die ungarische Flagge ziert das Kleid des kleinen Richters. Auf dem Wagen sitzt das Maskottchen der Ernte, eine lebensgroße Traube, die seit dem Jahr 2000 am Umzug teilnimmt. Sie wurde in einem Malwettbewerb ausgewählt. Das Siegerstück war das Werk von Anikó Flaska. Üblicherweise trägt ein Junge oder ein Mädchen das Maskottchenkostüm. Er oder sie trägt auch die Dorffahne. Die Teilnehmer legen den gesamten Weg singend zurück. Die Tänzer werden von der Bicskás-Kapelle begleitet. Der Hornist bläst in das Horn, und alle verstummen. Der kleine Richter lädt alle mit lauter Stimme zum Abendball ein, mit folgendem Vers: ; ; Einladung zum Ernteball: ; ; Guten Tag euch allen! ; Ich spreche zu euch, dem Richter der Trauben, ; Ich habe gute Neuigkeiten, hört gut zu! ; Die Ernte ist eingebracht, die Fässer sind bereits voll, ; Die Ernte war reichhaltig, lasst uns feiern! ; Nach altem Brauch findet heute ein Segen statt, ; Unsere Kehlen sind ganz trocken während der Ernte. Wir haben genug gegraben, wir müssen etwas trinken. Wir laden alle zum Ernteball ein. Es wird eine Tombola, eine Verlosung und ein Lied geben. So etwas hat es seit etwa hundertfünfzig Jahren nicht mehr gegeben. Jung und Alt aus dem Dorf werden da sein. Mädchen mit Tanzfüßen, alle, die Lust dazu haben. Alle versammeln sich zum Ernteball. Es ist in Ordnung, wenn alle drei Füße den Boden berühren. Der Spaß beginnt um acht Uhr abends. Der Spaß, das fröhliche Tanzen, hört erst am Morgen auf. Lasst uns die Ernte würdig abschließen. Wir erwarten alle zum Ball am Abend! Anschließend wird getanzt und fröhlich gesungen. Währenddessen bieten die Organisatoren den Zuschauern traditionelle Szeli-Kuchen, Gebäck und natürlich guten Wein an. Nach der einstündigen Vorstellung fahren die Kutscher durch das ganze Dorf, damit auch die Bewohner der Seitenstraßen von diesem wichtigen Ereignis erfahren. Nach der Dorfrundfahrt wurde im großen Saal des Gemeindezentrums zu Mittag gegessen. Der Ball findet üblicherweise abends im örtlichen Gemeindezentrum statt. Auf dem Tisch gibt es auch köstliches Gebäck vom Pflaumen-Mohn-Fest. Natürlich werden auch süße Trauben und Äpfel serviert. Auf der Bühne singen und tanzen die Gruppen und bereichern die Vorstellung. Der „Schandkäfig“, der „Haufen“, wird zuvor auf der Bühne oder vor dem Saal aufgebaut. Dieser eiserne Käfig wurde von den Mitgliedern der Leitung mit Hilfe der Sänger mit Wildtrauben oder Weinblättern geschmückt, und hier und da hingen Trauben oder aufgeblasene Ballons daran. Diese wurden beim Abendball von den Pfeifenmädchen bewacht, da es häufig vorkam, dass die Trauben gestohlen wurden. Wurden sie erwischt, landeten sie auf einem Haufen und konnten nur gegen Lösegeld freigegeben werden. Dieses Lösegeld konnte Wein oder Geld sein. Manchmal wurden die Gäste auch wegen Trunkenheit eingesperrt und dort festgehalten, bis sie wieder nüchtern waren. Die Bälle dauerten gewöhnlich bis zum nächsten Morgen. Früher spielte die örtliche Zigeunerkapelle, aber in den letzten zwanzig Jahren wurde die unterschiedlichste Musik gespielt: Rockmusik von zwei Personen, Jazz von vier Personen. Zum Ball gehörte auch die Wahl der „Szüret Szépe“, die stets an eine hübsche Dame ging. Außerdem gab es einen Kuchenwettessen, ein Mohnfest und eine Obstausstellung. Auch die Begleitveranstaltungen wurden stets in traditionsgemäßer Manier abgehalten. Die Organisatoren achten sorgfältig darauf, dass auch junge Menschen an den Feierlichkeiten teilnehmen können, damit die Dorftour zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Ziel ist es, alte Traditionen zu bewahren und an die neuen Generationen weiterzugeben. ; ; Erntedankfest, 2010: ; ; ; ;  

Inventarnummer:

13639

Sammlung:

Werte-Repository

Gemeinde:

Felsőszeli