Tibor Babi, Poczkody
Sonstige - andere
* Báb, 30. Okt. 1925 – † Bratislava, 23. Juni 1978. Dichter, Übersetzer, Herausgeber. Er besuchte die Schule in seinem Heimatdorf und in Vágtornóc, machte sein Abitur in Érsekújvár und Bratislava und studierte ab 1949 an der Prager Wirtschaftshochschule. 1951 schrieb er sich am Pädagogischen Kolleg in Prag ein, brach das Studium jedoch ab. Im selben Jahr war er Herausgeber der Zeitschrift „Szabad Földműves“, 1952–53 der Zeitschrift „Fáklya“ und arbeitete anschließend als Theaterautor und Buchhändler in Szepsi. Ab 1957 war er Herausgeber von Hét, ab 1960 von ISZ, von 1969 bis 1973 Leiter der Kulturredaktion von ÚSZ und anschließend bis zu seinem Tod deren Herausgeber. 1966 wurde ihm der Madách-Preis verliehen. – Seine ersten Gedichte erschienen Anfang der 1950er Jahre in Új Szó. Auch seine in Fáklya veröffentlichten Reportagen fanden Beachtung. Er übersetzte Werke zahlreicher tschechischer und slowakischer Schriftsteller und Dichter ins Ungarische. In der Tschechoslowakei prägte er die ungarische Literatur als Dichter des Glaubens an eine humanere Welt und eines starken Nationalbewusstseins. Ihm lag das slowakisch-ungarische Zusammenleben, die gemeinsame soziale Vergangenheit und die Probleme der einfachen Landbevölkerung sehr am Herzen. Seine Gedichte und Reportagen sind von dramatischer Emotionalität geprägt, und jede Zeile vibriert vor seinem leidenschaftlichen Gerechtigkeitssinn und seiner Bereitschaft zum Streiten. „Auch heute noch ist der Mut und die moralische Stärke, mit der er als Erster die Unterdrückung seiner nationalen Minderheit in den Jahren nach 1948 anprangerte, bewundernswert.“ (Bodnár– Tóth: Nyomkereső). Sein Talent befreite ihn aus der schematischen literarischen Krise der 1950er Jahre, und er schuf eine modernere Kunst. Seine Gedichte sind gedanklich komplexer, seine Sprache flexibler, und die philosophische Dimension ist in seiner Lyrik prägend geworden. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht fast ausschließlich das Verhältnis von Geschichte und Individuum, von Individuum und Gesellschaft. Er bricht mit den einfachen, ungarischen Versformen seiner frühen Gedichte und sucht nach freieren Wegen. Die Erneuerung seiner Lyrik resultiert aus dieser komplexeren Perspektive, der Entdeckung tieferer Schichten. Die Ergebnisse dieser Arbeit spiegeln sich in den Gedichten und Verskompositionen seiner beiden letzten Bände wider (Das Lied der Quelle, 1965; Träne unter dem Mikroskop, 1966). Beide Bände zählen zu den bleibenden Schätzen unserer Dichtung. Später verfasste er keine Gedichte mehr, sondern widmete sich mit Begeisterung den jungen Menschen, die in der Anthologie „Egyszemű éjsza“ vertreten waren, und veröffentlichte anschließend soziografische Berichte, Reiseberichte, Erzählungen und Studien. Er ist in mehreren Anthologien vertreten. Einige seiner Gedichte wurden auch in slowakischer, tschechischer und russischer Übersetzung veröffentlicht. Werke:Das ist dein Volk, Bd., 1954, Meine Heimat, meine Heimat, Bd., 1955, Wandervogel, Bd., 1960, Im Schatten tausender Jahre, Bd., 1964, Das Lied des Frühlings, Bd., 1965, Tränen unter dem Mikroskop, Bd., 1966, Weder lebendig noch tot, Hrsg. Bd., 1968, Von Europa nach Europa, Reisebericht, 1973, Das Antlitz der Loyalität, Komp., Rip., 1974, Bach und Quelle, Komp., 1976, Das Werk eines Schriftstellers, Dichters, Künstlers, Gelehrten, 1979, Ich suche jemanden, Komp. Bd., 1982, Antaios' Klage, Komp. Bd., 2003. ; ; Übersetzungen:S. K. Neumann: Lob der Erde, 1962, J. Hora: Stormy Spring, 1964, Fr. Švantner: The Bride of the Snowmen, 1965, J. Nesvadba: How Did Captain Nemo Die?, 1966, L. Lahola: Accidental Acquantance, 1970. ; ; Literatur: Lajos Turczel: Der Weg eines Dichters, Fáklya 1956/6, Gyula Duba: Privat an der Front der Zeit, Hét 1964/24, Imre Varga: Starker, fremder Gott, Hét 1969/12, Gyula Bodnár: Von Angesicht zu Angesicht mit Tibor Bábi, VÚSZ 1975/8, András Görömbei: Ungarische Literatur in der Tschechoslowakei 1945–1980, Bp. 1982, Zoltán Szeberényi: Umrisse eines Lebenswerks, VÚSZ 1985/43, Gyula Bodnár–László Tóth: Der Tracer, Dsz. 1994, Zoltán Szeberényi: Ungarische Literatur in der Slowakei (1945–1999) I., 2000. ;
O.A