Synagoge
Gebäude, Struktur
In Trenčín, dem Hauptort des gleichnamigen Komitats, lebten im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Juden. Sie flohen aus Mähren, um der dortigen Judenverfolgung zu entgehen. Sie siedelten sich außerhalb der Stadtmauern in der Umgebung an – dieses Gebiet gehört heute zur historischen Altstadt. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts stellte die jüdische Gemeinde etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung. Nach dem Jüdischen Kongress von Budapest 1868/69 schloss sich die jüdische Gemeinde von Trenčín dem Trend des Status quo ante an. Nur etwa ein Fünftel der Gemeinde überlebte den Holocaust von 1944. Heute leben in Trenčín kaum noch ein Dutzend gläubige Juden. Die heutige Synagoge der Stadt, die auf einem Platz in der historischen Altstadt steht, wurde 1913 geweiht. Sie wurde von dem in Berlin ausgebildeten Architekten Richard Scheibner entworfen. Der Stil des Gebäudes vereint byzantinische und Jugendstilelemente mit den modernsten Architekturströmungen der Zeit. Der Architekt bemühte sich, die äußeren Dekorationselemente so weit wie möglich zu reduzieren und gleichzeitig die klassischen, monumentalen Formen zu bewahren. Das axialsymmetrische, annähernd quadratische Gebäude besitzt in alle Richtungen gleich gestaltete Fassaden. Sein dominantestes Element ist eine riesige, mit Metallplatten verkleidete Kuppel, die den zentralen Teil des Gebäudes, den Kirchplatz, überragt. Die ursprüngliche Einrichtung der Synagoge wurde nach 1945 zerstört. Fotografien zufolge war die gesamte Innenwand mit Gemälden verziert, von denen heute nur noch die Gemälde der Kuppel sichtbar sind. An drei Seiten des Kirchplatzes – als Ort für weibliche Gläubige – erstrecken sich auf Stahlbetonkonsolen ruhende Galerien in den Raum. Der monumentale, weiß getünchte Raum wird so – neben der Kuppel – durch die dekorativen Glasfenster der Kirche farblich hervorgehoben. Die Synagoge dient nach einer umfassenden Renovierung heute als Ausstellungsraum für moderne Kunst. Im hinteren Bereich wurde ein kleiner jüdischer Gebetsraum eingerichtet. Das Gebäude ist Teil der Kulturroute, die das jüdische Erbe der Slowakei präsentiert.