Kapelle der Heiligen Elisabeth in Banská Bystrica
Gebäude, Struktur
Selmecbánya, eine der bedeutendsten und reichsten Siedlungen des mittelalterlichen Ungarns, wurde bereits vor dem Tatareneinfall zur Freien Königsstadt erhoben. Ihre herausragende Bedeutung verdankte sie den nahegelegenen reichen Gold- und Silbervorkommen, deren Ausbeutung die Grundlage für den Wohlstand der Stadt bildete, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts anhielt. Das Bürgertum der Stadt bestand bis ins 20. Jahrhundert praktisch aus deutschsprachigen Siedlern, die das Gebiet in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts besiedelt hatten. Die Topographie der Stadt wurde maßgeblich von den wertvollen Erzvorkommen unter dem heutigen historischen Stadtkern geprägt. Im Mittelalter wurden mehrere begehbare Gänge zu diesen Vorkommen angelegt, die teilweise noch heute an der Oberfläche oder in den Kellern mittelalterlicher Häuser sichtbar sind. Um diese Gänge herum entstanden innerhalb der Stadt Gruppen von Gebäuden, die heute zusammengewachsen sind. Dieses charakteristische Stadtbild gehört zum UNESCO-Welterbe. Südlich des mittelalterlichen Stadtkerns, umgeben von modernen Wohnsiedlungen, steht direkt an der Straße eine kleine, der Heiligen Elisabeth geweihte Kapelle. Die kleine Kirche, die von Touristen auf dem Weg ins Stadtzentrum kaum beachtet wird, wurde ursprünglich Mitte des 14. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut. Das einschiffige Gotteshaus diente der Seelsorge für das benachbarte Stadtkrankenhaus. Als die türkische Bedrohung der Bergstädte im Hochland aus dem Süden real wurde, begann man auch in Selmec mit dem Ausbau der Stadtbefestigung. Das Kirchengebäude wurde in das Stadttor integriert. Im 18. Jahrhundert hatten die Wehrmauern ihre militärische Bedeutung verloren, waren aber größtenteils noch vorhanden. Um die vielbefahrene Straße vor der Kirche zu verbreitern, wurden 1879 das Tor und ein Großteil der Kirche abgerissen. Das erhaltene und bis heute bestehende Gotteshaus diente als Lagerhaus. 1894/95 wurde es im neugotischen Stil, den wir heute sehen, wiederaufgebaut und erneut als Kapelle genutzt. Zu jener Zeit wurde der kleine Husarenturm auf dem Dachfirst des Satteldachgebäudes errichtet. Sein neugotischer Hochaltar wurde von dem einheimischen Bildhauer Joseph Krauss geschaffen.