St.-Anna-Kirche in Nagyőr
Gebäude, Struktur
Die römisch-katholische St.-Anna-Kirche wurde im 15. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. Deutschen Quellen zufolge stand an dieser Stelle bereits im 12. Jahrhundert eine Wehrkirche. Die Kirche ist einschiffig und ohne Turm. Sie ist nach Osten ausgerichtet, vermutlich auf den Sonnenaufgang am St.-Anna-Tag, dem 26. Juli. Sie ist mit Schindeln gedeckt, ebenso wie die Strebepfeiler, die die Fenster des Altarraums trennen und ihn vor Regen und Schnee schützen. Der zweigeteilte Altarraum (8,3 × 5,4 m) hat einen halboktogonalen Abschluss mit Y-förmigen Rippen zur Apsis hin. Das breitere Langhaus (8,7 × 8,6 m) ist ungeteilt und ebenfalls zweigeteilt. Die Kirche hat vier Spitzbogenfenster, drei im Altarraum und eines an der Südseite des Langhauses. Die Gesimse der zweiteiligen Fenster sind schlicht verziert. Ungewöhnlich ist, dass sich in der Mitte der Apsis hinter dem Hochaltar keine Fensteröffnung befindet. An der Südseite öffnet sich der geräumige, giebelgedeckte Eingang mit einem halbrunden Bogen, durch den man in einen kleinen, geschlossenen Vorhof gelangt. Die Sakristei an der Nordseite ist ebenfalls ein Anbau. Dieser Typus ist typisch für Dorfkirchen jener Zeit. In Nagyőr diente bis 1629 ein hölzerner Glockenturm als Kirchturm, danach wurde ein für die Region typischer Renaissance-Glockenturm errichtet. Je schlichter diese kleine Kirche ist, desto überraschender sind ihre Wandmalereien, die einst fast alle Wände schmückten. Die meisten sind heute kaum noch erkennbar. Ihre Farben sind verblasst, ihre Konturen verblasst. Der Passionszyklus von Nagyőr entstand zwischen 1500 und 1510 und ist in zwei Bändern oberhalb der Westwand des Kirchenschiffs zu sehen. Er umfasst insgesamt zehn Szenen, vier im oberen und sechs im unteren Bereich.