Schloss Thurzó in Nagybiccse
Gebäude, Struktur
Nagybiccse liegt im Waagtal im nordwestlichen Teil des Hochlands. Im 16. Jahrhundert wurde das Herrenhaus der Familien Imreffy und Kosztka im Jahr 1547 zerstört. Die verworrenen Besitzverhältnisse wurden geklärt, als Ferenc Thurzó, aus der damals bedeutendsten Patronatsfamilie des Hochlands, das Anwesen 1563 erwarb. Die nahegelegenen Burgen Žsolnalitva und die weiter entfernte Burg Orva dienten als unzugängliche, gut zu verteidigende Bergburgen, sodass das malerische Biccse in der Ebene möglicherweise als friedlicher Refugium der Familie diente. Die Überreste der ehemaligen Wasserburg wurden in den Westflügel des Neubaus integriert, wodurch die quadratische Burg mit dreistöckigen Seitenflügeln entstand, die an den Ecken mit Rundbastionen verstärkt ist. Der höchste Turm erhob sich über dem Tor, lag auf der Hauptachse und war über zwei Zugbrücken über dem Burggraben erreichbar. Dies unterstreicht die Dynamik der steilen Dachformen und trägt zur monumentalen Gesamtwirkung des Bauwerks bei. Die Inschrift über dem Tor verkündet stolz, dass die Burg 1571 auf Kosten von Ferenc Thurzó errichtet wurde. Im Inneren befand sich ein rechteckiger Innenhof, der von halbrunden Arkaden durchbrochen wurde. Diese ruhten im unteren Bereich auf Pfeilern und im oberen auf Säulen. Ihre Wände sind mit späteren Wandmalereien ungarischer und ausländischer Helden verziert. Bemerkenswert ist, dass die Arkaden durch markante, sich über die gesamte Länge erstreckende vertikale Pilaster voneinander getrennt sind und so die Fassade gliedern. Alle vier Seiten der aus dem Hofdach ragenden Schornsteine waren mit figürlichen Reliefs und Wappen geschmückt. Im Gegensatz zum festungsartigen Charakter des Äußeren wirkt der Innenhof heiter und offen. Die Jahreszahl 1574 über dem Eingang zum Palastflügel deutet möglicherweise auf die Fertigstellung des Baus hin. Ferenc Thurzó, der kurz darauf († 1576) auf Schloss Árva starb, lebte dort nicht mehr; lediglich seine Witwe Katalin Zrínyi (Tochter von Miklós Zrínyi, dem Hauptmann von Szigetvár) und ihre Kinder konnten das neu errichtete, imposante Gebäude beziehen, das als frühestes Beispiel eines Rundbastionsschlosses gilt. Der Architekt war der Mailänder Meister Kiliano Syröth de Mediolano, der auf deutschem Gebiet wirkte. Zwischen 1603 und 1612 wurde das Schloss im Auftrag von György Thurzó von Andreas Pocabello wiederaufgebaut, wobei auch die Schäden des türkisch-hajduischen Angriffs von 1605 behoben wurden.