Rákóczi-Museum von Oberungarn
Gebäude, Struktur
Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts war in Ungarn von der Gründung ländlicher Stadt- und Kreismuseen geprägt. Auch der 1872 in Košice gegründete Museumsverein Oberungarn gehört in diese Kategorie. Initiatoren waren die Brüder Klimovits, die über eine bedeutende Privatsammlung verfügten. Unterstützt wurden sie von Viktor Myskovszky, einem renommierten Denkmalexperten. Die erste Ausstellung des Museums wurde 1876 eröffnet. Die Sammlung erfuhr später durch mehrere Schenkungen ein bedeutendes Wachstum. So schenkte beispielsweise der in Košice geborene Imre Henszlmann dem Museum 1888 seine Sammlung von mehreren tausend Antiquitäten. Auch der Bischof von Košice, Dr. Zsigmond Bubics, stiftete im Jahr der Jahrtausendwende seine Sammlung von einhundert originalen Ölgemälden, 50 Aquarellen ungarischer, deutscher, englischer und französischer Künstler, seine Sammlung von 3.000 Kupferstichen sowie zahlreiche Medaillen, Fayencen, Porzellan und andere Raritäten. Eine ähnlich großzügige Schenkung kam auch vom Gutsbesitzer Pál Dessewffy, der 1899 die wertvolle Sammlung von 750 alten Waffen, Gemälden, Antiquitäten, Majolika und Porzellan der Familie Dessewffy dem Museum in Košice dauerhaft vermachte. Graf Dénes Andrássy, ein im ganzen Land für seine Wohltätigkeit bekannter, großzügiger Adliger, stiftete 16.000 Kronen zur Bereicherung des Museums. 1906 wurde anlässlich der feierlichen Umbettung von Ferenc Rákóczi in Košice eine spektakuläre Ausstellung der Reliquien des Fürsten organisiert und die Institution in Rákóczi-Museum Oberungarn umbenannt. Nach dem Kaiserwechsel 1919 ging die Sammlung in den Besitz des tschechoslowakischen Staates über und zählt seither (mit Ausnahme der Zeit unter ungarischer Herrschaft zwischen 1938 und 1945) als Museum der Ostslowakei zu den bedeutendsten Museumseinrichtungen des Landes. Das spektakulärste Stück der Museumssammlung ist zweifellos der sogenannte Goldschatz von Košice aus dem 17. Jahrhundert. Er wurde 1935 beim Abriss des Hauptgebäudes der ehemaligen Handelskammer Szepes in Košice entdeckt. Für diesen besonders wertvollen Fund wurde im Museum ein separater Tresorraum eingerichtet. Das heutige Museumsgebäude wurde 1899 am nördlichen Rand der historischen Altstadt nach Entwürfen des Budapester Architekten Jenő Lechner erbaut und diente ursprünglich als Museum. Die Hauptfassade des reich verzierten, achsensymmetrischen, eingeschossigen Gebäudes im neobarocken Stil ziert das in Stein gemeißelte Wappen der Stadt Košice auf dem markanten Giebel über dem Eingang. Interessanterweise blieben die ungarischen Schriftzeichen, die Teil der Fassadendekoration waren, bei den 2013 abgeschlossenen Renovierungsarbeiten erhalten. Im Museumshof wurde aus mehreren versetzten traditionellen Gebäuden ein kleineres Freilichtmuseum eingerichtet.