Schloss Pázmány in Vágsellye
Gebäude, Struktur
Im Mittelalter führte die Böhmische Straße (Via Bohemica) hierher. Béla IV. schenkte Vágsellyé und seine Umgebung dem Kloster Turóc. 1522 erhielt die Siedlung Privilegien vom Propst von Turóc, Uriel Majthényi. 1536 erhob Ferdinand I. sie zur Marktstadt. 1586 kam der Ort unter die Herrschaft der Jesuiten, die 1598 ihr Kolleg von Znióváralj hierher verlegt hatten. Einst stand in Vágsellyé eine Wasserburg. Im 16. Jahrhundert wurde an ihrer Stelle ein Renaissanceschloss nach den Plänen des Mailänder Architekten Kilián Syroth errichtet, das dem Schloss der Familie Thurzó in Nagybicces nachempfunden war. Seine Bedeutung wuchs nach dem Fall von Esztergom, als es Teil des Grenzburgsystems der Region wurde. Die Jesuiten eröffneten im ersten Jahr zwei Klassen, und im darauffolgenden Jahr fand der gesamte Unterricht hier statt. Die Korrespondenz der Jesuiten liefert interessante Informationen. So erfahren wir, dass ein Grund für den Umzug die Nähe Vágsellyes zu Wien war, ein anderer die ungarische Prägung der Stadt und ihrer Umgebung. Man hoffte, dass ungarische Adlige ihre Kinder leichter an das Kolleg schicken würden. Die Zahlen geben ihnen Recht: Bereits 1600 besuchten 400 Studenten das Kolleg in Vágsellye. Es wurde bald zu einem beliebten Erholungsort für Péter Pázmány, Erzbischof von Esztergom. Er tauschte das geschäftige Leben in Nagyszombat gegen die Erholung in Vágsellye im Sommer. Das Schloss Pázmány war damals ein vierflügeliges Gebäude. Das Jesuitenkolleg bestand bis 1604 in der Stadt, als es durch den Bocskai-Aufstand geschlossen wurde. Nach dem Fall von Érsekújvár im Jahr 1663 fiel auch die Burg bis 1686 in türkische Hände. Nach den türkischen Zerstörungen von 1661 und 1663 blieben nur 30 der ursprünglich 300 Häuser der Stadt erhalten. 1692 erhielt die Siedlung das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten. Die Burg ist heute vorwiegend im Barockstil erbaut und wurde 1963 zum Denkmal erklärt. Die Renovierung der Burg begann 1972 und wurde 1999 abgeschlossen. Heute beherbergt das Gebäude eine Zweigstelle des Staatsarchivs Bratislava des slowakischen Innenministeriums.