Pálffy-Palast
Gebäude, Struktur
Bratislava, an der Westgrenze des Königreichs Ungarn gelegen, blickt auf eine lange Geschichte zurück und war im Mittelalter hauptsächlich von Deutschen und in geringerem Maße von Ungarn bewohnt. Die zuvor eher unbedeutende Stadt erlangte nationale Bedeutung, als die Türken Mitte des 16. Jahrhunderts das ehemalige Zentrum des Landes besetzten. Zu dieser Zeit wurden die wichtigsten Regierungsorgane nach Bratislava verlegt, das sicherer und näher an Wien lag, dem eigentlichen Sitz der ungarischen Könige der Habsburger Dynastie, wo das Parlament tagte und die Könige gekrönt wurden. Dies machte die Stadt zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen und Bildungszentren des Landes. In der ummauerten Altstadt ließen sich, insbesondere nach dem Frieden im 18. Jahrhundert, zahlreiche habsburgfreundliche ungarische Adlige und Kirchenvertreter prächtige, mehrstöckige Paläste im Barock- oder Klassizismusstil als Statussymbole errichten – die Reichsten besaßen sogar mehrere. Eines dieser Gebäude ist der Pálffy-Palast, erbaut 1884/85 am Promenadenplatz in Bratislava, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Im Stadtzentrum befinden sich mehrere Paläste, die mit dieser Familie in Verbindung stehen, darunter einer in der Úri-Straße 19–21. János Pálffy (1829–1908) ließ seinen neobarocken Palast nach den Plänen von Viktor Rumpelmayer von hinten auf dem Grundstück errichten, wobei die Hauptfassade zum Kossuth-Platz ausgerichtet ist. János Pálffy, einer der reichsten Männer Ungarns seiner Zeit, war ein bekannter Kunstsammler. Er förderte die Künstler seiner Zeit und besaß selbst eine bedeutende Kunstsammlung. Die Hauptfassade des vierstöckigen, geschlossenen Gebäudes zur Straße hin ist symmetrisch gestaltet und öffnet sich mit drei Toren zur Straße hin. Das prächtigste Element ist das Haupttor in der Mitte, über dem sich der vorspringende Balkon im ersten Stock erhebt, der beidseitig von einer Atlasfigur (einem Faun) getragen wird. Die Fassade ist reich mit Gesimsen und Stuck verziert, insbesondere im Bereich der Fenster. Das Erdgeschoss ist rustiziert, während die Fassade der oberen Stockwerke durch massive Pilaster gegliedert wird. An der durchbrochenen Dachbodenwand, die sich über dem zentralen Vorsprung erhebt, befindet sich eine Reihe überlebensgroßer Götterstatuen. Heute beherbergt das Gebäude eine Kunsthochschule.