Motesiczky-Palast
Gebäude, Struktur
Das Motesiczky-Palais wurde an der Stelle eines Grabens vor der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet, die einst das heutige Stadtzentrum von Bratislava umgab. An dieser Stelle befand sich einst eines der bekanntesten Gasthäuser der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt, das Gasthaus „Zum Wilden“. Berühmte und angesehene Gäste logierten hier anlässlich nationaler Versammlungen und königlicher Krönungen. Später lebte hier Sámuel Mikoviny (1698–1750), ein ungarischer Mathematiker, Ingenieur und Begründer der ungarischen Kartografie, der in mehreren Lebensabschnitten mit Bratislava verbunden war. Zunächst verbrachte er seinen Aufenthalt in der Stadt als Schüler des lutherischen Gymnasiums. Während seiner zweiten Zeit in Bratislava wurde der bereits erfahrene und brillante Ingenieur ab 1725 als Chefingenieur des Komitats Bratislava angestellt. Das heutige Palais wurde 1840 von der Familie Motesiczky im klassizistischen Stil mit Elementen der Neorenaissance erbaut. Die südliche, ursprünglich viergeschossige Hauptfassade des großen Hauses, das auch zwei straßenseitige Fassaden aufweist, ist von strenger Symmetrie geprägt. Das halbrunde Haupttor öffnet sich in der Achse des rustizierten Erdgeschosses und führt zur gewölbten Auffahrt und weiter zum quadratischen, ummauerten Innenhof. Der Mittelteil der Fassade wird vom auf Konsolen ruhenden Balkon im ersten Stock und dem riesigen, dreieckigen Tympanon, das sich über dem Hauptgesims erhebt, dominiert. Im Zuge der letzten Renovierung wurden moderne, farbige Glasskulpturen in dessen Fläche angebracht. Eine der historischen Besonderheiten des Gebäudes ist, dass sich im ersten Stock das Casino von Bratislava befand, das regelmäßig von den angesehensten Mitgliedern des ungarischen Adels besucht wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg begann das Gebäude allmählich zu verfallen, ein Prozess, der sich während der sozialistischen Ära nach 1945 fortsetzte. Schließlich wurde es zwischen 2008 und 2010 nach den Entwürfen des tschechischen Stararchitekten Bořek Šípek luxuriös saniert und die bestehenden vier Etagen um mehrere Stockwerke erweitert. Das so entstandene Gebäude mit 22 Luxuswohnungen wurde mit fünf Sternen ausgezeichnet, was in ganz Mitteleuropa selten ist.