Nationaltheater
Gebäude, Struktur
Das erste Rathaus von Košice stand bis 1756 an dieser Stelle. Das ehemalige Theater wurde zwischen 1786 und 1789 nach den Entwürfen der Grafen Mihály Sztáray und Miklós Vécsey sowie von János Tallher und Miklós Brocky erbaut. Es bot Platz für 500 Personen. Bei seiner Eröffnung wurde Mozarts „Flucht aus dem Serail“ aufgeführt. Im Nordflügel befanden sich ein Café, Billard und ein Restaurant, im Obergeschoss eine Bar, eine Raucherlounge und eine Taverne. 1828 wurde hier das Lord’s Casino gegründet. Die Premiere des ungarischen Nationaldramas „Ban József Katona“ fand hier am 15. Februar 1833 statt. Petőfi besuchte die Stadt auch mehrmals. Nach einem ausgelassenen Silvesterabend machte er hier Kornélia Prielle (einer Schauspielerin aus Košice) auf völlig geistreiche Weise einen Heiratsantrag. Er wollte sie noch in derselben Nacht heiraten, doch sie fanden niemanden, der sie sofort trauen wollte. Am nächsten Tag waren sie jedoch beide wieder nüchtern. Es ist bekannt, dass im Theater anfangs nur deutsche Stücke aufgeführt wurden. Die Miskolker Theatergruppe brachte 1816 unter der Leitung von Déryne als erste ungarische Stücke auf die Bühne von Košice. Neben ihnen förderten auch Gábor Egressy und Béni, Szentpétery, Megyesy, Lujza Blaha und die Dynastie Latabár die Schauspielkunst in Košice. 1884 brach während einer Aufführung ein Feuer im Theater aus. 1894 wurde es aus Sicherheitsgründen geschlossen und 1897 abgerissen. Von Ödön Faragó bis Antal Páger war das ehemalige Nationaltheater von Košice eine wichtige Station im Leben vieler ungarischer Schauspieler. Das imposante, eklektisch-neobarocke Gebäude, das noch heute steht, wurde von Adolf Láng entworfen und zwischen 1897 und 1899 von den renommierten Košiceer Architekten, den Brüdern Jakab und Mihály Répászky, erbaut. Die künstlerische Innenausstattung stammt vom Budapester Bildhauer Ede Mayer, die Decke vom Wiener Peregrin von Gastgeb. Auf dem Dach des Theaters steht die Statue der Göttin Aurora, der Schutzpatronin der Musen. Zwischen 1914 und 1926 bemühte sich der Direktor Ödön Faragó um den Erhalt des ungarischen Theaters. Ab 1920 traten auch slowakische und tschechische Theatergruppen in der Stadt auf, und 1924 wurde in Košice ein festes slowakischsprachiges Theater etabliert, das die ungarische Gruppe aus der Hauptspielzeit verdrängte. Während des Krieges spielten unter anderem die Ensembles von Géza Földessy und Zoltán Kőrössy in Košice. Zwischen 1945 und 1949 war ein ungarisches Theaterbetrieb nicht möglich. Ab 1952 gastierte das Ungarische Regionaltheater Komárom in der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es zwanzig Jahre, bis das ungarische Theater in Košice, dieser alten ungarischen Stadt, wiedereröffnet wurde, allerdings nicht mehr in diesem Gebäude. Das Gebäude, das bis in die 1990er Jahre ohne Renovierung betrieben wurde, verfiel in seinen letzten Jahrzehnten stark und musste saniert werden. Dies wurde schließlich zwischen 1987 und 1994 umgesetzt. In dieser Zeit wurden neben der äußeren und inneren Renovierung auch versteckte Lagerhallen unter der Oberfläche des Platzes errichtet.