Kern House
Gebäude, Struktur
Am südlichen Rand der Altstadt von Bratislava, auf dem Eckgrundstück neben dem Fischertor zur Donau, befanden sich seit der späten Árpád-Zeit eine Befestigungsanlage und ein Stadthaus. Ende des 18. Jahrhunderts veränderte der Abriss der Stadtmauer, die überflüssig geworden war und die Stadtentwicklung behinderte, das Erscheinungsbild des Gebiets grundlegend. Daraufhin wurde 1845 nach den Plänen von Ignác Feigler Sr. ein neues, vierstöckiges Haus mit Blick auf zwei Straßen errichtet. Es wurde nach dem Hausbesitzer Endre Kern benannt, der in dem Gebäude ein in der Stadt sehr beliebtes Café, eine Konditorei und ein Restaurant betrieb. Die beiden Straßenfassaden des Hauses im Empirestil sind gleich groß und weisen Achsen von sieben bzw. acht Achsen auf. Über den oberen Fenstern ragen kunstvoll gegliederte Gesimse hervor. In der Achse der Fassaden erhebt sich über den Dachgesimsen ein kleineres Dachgeschoss. Über dem Haupteingang im Erdgeschoss, der zur Promenade führt, befindet sich ein kunstvoller schmiedeeiserner Balkon mit Geländer, der von vier Steinsäulen getragen wird. In den oberen Stockwerken des Gebäudes befinden sich Wohnräume, im Erdgeschoss ein Restaurant. Eine große Bronzetafel an der abgerundeten Ecke des Hauses erinnert daran, dass 1938 der indische Premierminister Nehru und seine Tochter Indira Gandhi – die spätere Premierministerin – das Restaurant in Begleitung des slowakischen kommunistischen Politikers Vladimír Clementis besuchten. Letzterer ist eine umstrittene historische Figur und wird oft als „slowakischer Rajk“ bezeichnet. Er war ein ungarischfeindlicher, nationalistischer Politiker, der alles in seiner Macht Stehende tat, um die Ungarn aus der Tschechoslowakei zu vertreiben. Während des ungarisch-slowakischen „Bevölkerungsaustauschs“ (d. h. der Zwangsumsiedlung der Ungarn aus dem Hochland, der Enteignung ihrer Rechte und ihres Eigentums) spielte er als Außenminister eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieses Völkermords und dessen internationaler Akzeptanz.