Kathedrale St. Johannes der Täufer

Kathedrale St. Johannes der Täufer

Gebäude, Struktur

Die Kirche wurde in Nagyszombat, einer Stadt dreier Nationalitäten, während der größten Religionskriege erbaut. Zunächst während des Bocskai-Aufstands von 1605 und dann zwischen 1619 und 1622 kam es in der Stadt zu religiösen Unruhen zwischen den verschiedenen Konfessionen. Die Fürsten schenkten den Protestanten Kirchen, doch nach der Rückkehr der Erzbischöfe wurden diese ihnen meist wieder weggenommen. Die Kathedrale ist fast vollständig im reinen Frühbarockstil gehalten. Sie war Teil der ehemaligen Universitätsgebäude. Erbaut wurde die Kirche zwischen 1629 und 1637 von Palatin Miklós Esterházy im Auftrag der Jesuiten und Péter Pázmánys. Miklós Esterházy unterzeichnete am 31. März 1629 in Kismarton einen Vertrag mit János Keresztelő Leckl und Sebestyén Ressler über die Ausführung von Steinmetzarbeiten für die Jesuitenkirche und das Kolleg. Zuvor hatte sich auf dem Gelände der Kathedrale eine dem Heiligen Johannes dem Täufer geweihte Dominikanerkirche befunden, die jedoch von den Jesuiten, die am 29. Mai 1629 eintrafen, abgerissen wurde. Vermutlich gelang es den Jesuiten hier sehr schnell, den Plan und den Bau der Kirche vom Provinzial in Wien und dem General in Rom genehmigen zu lassen, da Miklós Esterházy bereits am 15. Juni 1630 mit dem Architekten Antonio Spazzo den Bau der Kirche für das Jesuitenkolleg vereinbart hatte. Das Porträt von Antonio Spazzos Bruder Giovanni Pietro Spazzo befindet sich in der Sakristei der Kirche, und anhand anderer Dokumente lässt sich vermuten, dass Antonio die Kirche entwarf, während sein Bruder die Bauleitung übernahm. Um den Architekten rankt sich eine Legende, der zufolge er aus Angst vor einem Einsturz der Kirchendecke Selbstmord beging. Da wir nichts über Antonios Leben wissen, Pietro aber später in den Stadtdokumenten von Nagyszombat erwähnt wird, lässt sich die Legende weder widerlegen noch beweisen. Über den weiteren Bau der Kirche ist wenig bekannt. Am 15. Dezember 1633 gab Pfarrer György Dobornoki beim Wiener Zimmermann Simon Frauenhoffer die Dacheindeckung von Kirchenschiff und Türmen in Auftrag. 1635 gründete Péter Pázmány die Universität Nagyszombat, wodurch die Kirche zur Universitätskirche wurde. Zu diesem Zeitpunkt war sie jedoch sicherlich noch nicht vollständig fertiggestellt. Im selben Jahr bestellten die Jesuiten bei dem Nagyszombater Zimmermann Ádám Lengenich 56 Fenster und sechs Türen. Vier davon dienten als Eingang zur Sakristei, zwei als Seiteneingänge. In der Zwischenzeit wurde auch die Franziskanerkirche errichtet, und 1646 gelang es den Calvinisten trotz aller Einwände und Proteste des Erzbischofs ebenfalls, hier eine Kirche zu bauen. Pázmány erlebte die Fertigstellung der Universitätskirche nicht mehr, doch am 30. August 1637 weihte Erzbischof Lippay von Eger György sie zu Ehren des Heiligen Johannes des Täufers. Die erste Messe zelebrierte Erzbischof Lósy Imre von Esztergom, und am Abend wurden die Leichname der sieben Mitglieder der Familie Esterházy feierlich in die Kirche überführt und dort beigesetzt, gefolgt von einem Feuerwerk. Am Tag nach der Weihe fand eine naturwissenschaftliche Konferenz statt, an der auch Lippay und Lósy teilnahmen. Am dritten Tag führten die Jesuiten ein Theaterstück über den Bau des Tempels Salomos auf, und am vierten Tag wurden 24 Absolventen der Universität feierlich verabschiedet. Nach der Fertigstellung der Kirche am 3. September 1637 beauftragten die Jesuiten von Nagyszombat den Wiener Zimmermann und Holzschnitzer Boldizsár Knilling mit der Anfertigung von Altar, Tabernakel und Kanzel und boten ihm dafür 4.500 Forint. Die Malerarbeiten wurden dem Wiener Maler Lőrinc Knoth anvertraut, dem 5.500 Goldstücke zugesagt wurden. Neben Knilling arbeitete der Bildhauer Stadler Vitus aus Nagyszombat am Bau des Altars, und neben Knoth wirkten der Wiener Bildhauer Krisztián Knerr und der Meister Ferdinánd Cíferi aus Nagyszombat an den Malerarbeiten mit. Die Arbeiten kamen nur langsam voran. Knilling verließ Nagyszombat am 27. Juni 1639, um ein Gemälde zu erwerben, und überließ Stadler die gesamte Arbeit. Der Altar wurde 1640 zum 100-jährigen Jubiläum der Gründung des Jesuitenordens fertiggestellt. Parallel dazu wurde die Ausgestaltung der Kapellen vorangetrieben. Die erste Kapelle rechts und links vom Kircheneingang blieb ungeweiht, vermutlich weil die Seitentreppe der Kirche dorthin führte. Das zweite Kapellenpaar, dem Altar zugewandt, war der Schmerzensmutter und dem heiligen Josef geweiht, das dritte den heiligen Schutzengeln und den heiligen Märtyrern und das vierte den beiden Jesuitenheiligen Franz Xaver und Ignatius von Loyola. Am 16. April 1639 beauftragte Pfarrer Ádám Holovics den Meister Giovanni Battista Rosso mit der Ausgestaltung der beiden letztgenannten Kapellen für je 290 Goldstücke, ein von Gräfin Forgách gestiftetes Geld. Die Ausmalung der Kapellen übernahm Krisztián Knerr. Im Mai 1639 beauftragten die Jesuiten Stadler Vitus mit der Gestaltung des Altars der Kapelle des Heiligen Ignatius von Loyola. Bei der Vorbereitung des Altars arbeitete er mit Ferdinánd Cíferi (der die Polychromie ausführte) zusammen. Das Altarbild wurde von einem unbekannten Maler namens János Keresztély nach einer Schenkung von Erzsébet Bossányi gemalt. Noch vor der Fertigstellung dieser Kapellen begann der Bau der den heiligen Märtyrern geweihten Kapelle unter der Leitung von Krisztián Knerr. Das Altarbild wurde am 7. Juli 1640 von Ádám Holovics bei Stadler Vitus in Auftrag gegeben. Im Februar 1641 wurde Krisztina Nyáry, die Frau des Kirchengründers Miklós Esterházy, hier unter großem Pomp beigesetzt. Am 21. Februar 1641 beauftragte Stadler den Meister Ferdinand aus Nagyszombat mit der Vergoldung, während das Altarbild am 8. April 1642 beim Wiener Maler János Gyula Keller in Auftrag gegeben wurde. Die Krypten der Kirche wurden zwischen 1639 und 1640 nach den Plänen von Pietro Spazzo fertiggestellt. Am 15. Februar 1641 bestellte der Rektor des Kollegs, Péter Bellecius, die 48 Kirchenbänke bei den Zimmerleuten János Grysler und Frigyes Schnaster. Die Turmuhr wurde im Mai 1641 bei einem Wiener Uhrmacher geordert. Zwischen 1643 und 1647 wurden die Innenausbauarbeiten mehrmals kurzzeitig unterbrochen, hauptsächlich aufgrund des Feldzugs von György Rákóczi im Hochland. In der Zwischenzeit verstarb am 11. September 1645 der Erbauer der Kirche, der Pfalzfürst Miklós Esterházy. Dies bereitete seiner Familie erhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich seiner Beisetzung, da der damals mächtigste Mann Ungarns eine schlichte Beerdigung wünschte. Die Vorbereitungen für die Beisetzung zogen sich lange hin, um sowohl bescheiden als auch seinem Rang würdig zu sein. So wurde er am 11. Dezember 1645 in der Krypta der Jesuitenkirche in Nagyszombat beigesetzt, zelebriert von János Telegdy, dem Erzbischof von Kalocsa. Die Bauarbeiten wurden erst 1648 wieder aufgenommen. Am 13. Juli 1648 vereinbarten Dániel Esterházy und Farkas mit dem Steinmetzmeister Péter Potz in Galánta die Anfertigung der drei Tore der Universitätskirche. Der Vertrag, der in Anwesenheit des Rektors István Keresztes unterzeichnet wurde, legte fest, dass der Meister nicht von den Plänen abweichen durfte. Am 27. Juli wurden die Empore und die Holztüren beim Schreiner Ádám Lengenich aus Nagyszombat in Auftrag gegeben. Im selben Jahr gründete György Lippay das Priesterseminar Rubrorum in Nagyszombat. Am 1. August 1649 beauftragte Rektor Márton Palkovics Giovanni Battista Rosso mit der Stuckdekoration der Schmerzensmutterkapelle. Der Altar, ein Werk von Stadler Vitus, war 1655 fertiggestellt. Um 1650 arbeitete der Schreinermeister Mihály Arnolt aus Nagyszombat am Dach. Am 27. August 1651 wurden die Gebeine der acht römisch-christlichen Märtyrer (Amicetusz, Gyula, Dezső, Priszcilla, Szemidia, Szeverina, Szerontína, Szynézia und einer unbekannten Person) von der St.-Nikolaus-Pfarrkirche in die Universitätskirche überführt, die der Jesuit Pater György Forró 1634 vom polnisch-litauischen Provinzial Miklós Lancicius (Mikołaj Łęczycki) erhalten hatte. Am 21. April 1655 beauftragten Pater Petro Spazzo und Pater Ferenc Kopeczky den Bildhauermeister Jakab Tornini mit der Stuckdekoration der St.-Josephs-Kapelle. Ab dem 13. Juli gestaltete Tornini auch die Kapellen des Heiligen Franz Xaver und der Schutzengel. Ihm wurden 250 Goldstücke und drei Fässer Wein pro Kapelle zugesagt. Tornini versprach außerdem, über den Gewölben aller Kapellen ein einheitliches Engelsbildnis anzubringen. Im selben Jahr beauftragte Kopeczky Stadler Vitus mit der Anfertigung des Altars der St.-Josephs-Kapelle (der Altar zeigt Statuen der Heiligen Katharina von Alexandrien, Katharina von Siena, Johannes des Täufers, Johannes des Evangelisten, Priscilla, Seretina und der Jungfrau Maria). Aufgrund der formalen Ähnlichkeiten kann angenommen werden, dass auch der Altar der Märtyrerkapelle von Stadler geschaffen wurde. Am 15. Oktober 1659 bestellten die Jesuiten bei Ádám Lengenich, der bereits die Statuen für den Altar in Wien in Auftrag gegeben hatte, einen Altar für die St.-Franz-Xaver-Kapelle. 1663 wurden die Silberstatuen des Heiligen Franz Borgia und des Heiligen Alagius in der Kirche aufgestellt, neben den 1624 gefertigten Silberstatuen des Heiligen Ignatius von Loyola und des Heiligen Franz Xaver. Aufgrund der Türkenkriege wurden die Arbeiten zwischen 1663 und 1665 erneut unterbrochen, doch 1671 war die katholische Gemeinde so stark geworden, dass sie am 16. Januar die protestantischen Kirchen besetzte. Die reformierte Kirche wurde den Paulinermönchen übergeben, die sich 1653 in der Stadt niedergelassen hatten. Parallel dazu wurde der Bau der Universitätsgebäude vorangetrieben, der vom Bischof von Csanád, Ferdinand Pálffy, unterstützt wurde. Am 21. Mai 1674 gaben die Jesuiten von Nagyszombat bei dem Tischlermeister Ludvig Mihály den Altar der Passion Christi für die Totenkapelle in Auftrag, die vermutlich in der nördlichen Sakristei der Kirche aufgestellt wurde. Der Altar wurde 1676 von dem Nagyszombater Maler Jakab Rost bemalt, der auch die Altarbilder schuf. 1681 ließen die Jesuiten die Statue des Heiligen Andreas vergolden und versilbern. Am 8. August 1683 eroberten Thökölys Truppen Nagyszombathely, vertrieben die Jesuiten und brannten die Stadt nieder. Glücklicherweise blieb die Universitätskirche unbeschädigt. Nach dem Aufstand erhielten die Katholiken ihre Kirchen zurück. Ab 1685 waren die Jesuiten mit dem Bau des neuen Seminars und der Studentenwohnheime beschäftigt. Die Ausgestaltung der Universitätskirche wurde 1699 abgeschlossen, als das Studentenwohnheim mit Pál Esterházy einen neuen Gönner fand. Am 19. Juni 1699 schloss der Pfalzherr in Kismarton einen Vertrag mit dem aus Lugano stammenden Wiener Stuckateur Pietro Antonio Conti ab, der sich zusammen mit seinen Gehilfen verpflichtete, für 3.000 Rheinische Forint den Stuck des Kirchenschiffgewölbes anzufertigen und zu bemalen. Der Pfalzherr stand bereits einige Jahre zuvor mit Conti in Kontakt; er hatte Pál Esterházy mit der Stuckgestaltung der Kirche Mariä Himmelfahrt beauftragt. Die Deckengemälde wurden von den beiden Wiener Meistern Karl Ritsch und Franz Joseph Grafenstein geschaffen, die ihre Arbeit am 18. September 1700 abschlossen. Der Stuck war am 14. Oktober fertiggestellt. Nach der zügigen Fertigstellung der Kirchenausstattung begann Rektor László Sennyey mit dem Bau der nördlichen und östlichen Flügel, die an die Kirche anschlossen und in denen er eine Bibliothek plante. Der Bau wurde jedoch erst 1718 abgeschlossen. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgelöst, und 1777 zog die Universität von Nagyszombat nach Buda um. Nach dem Umzug der Universität wurden die Gebäude dem Militär übergeben, und 1783 bezogen die Soldaten sie. Von da an trug die Universitätskirche den Namen Invalidenkirche. 1809 hielten sich auch Napoleons Soldaten im Invalidenhaus auf und beschädigten die Kirchenausstattung. Nach dem Abzug der Soldaten wurde die Kirche neu gekalkt und mit neuen Altären versehen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Dach repariert, wobei der Sakristeiturm und die Dachfenster entfernt wurden. 1942 wurde die Kirche unter der Leitung von Dr. Vladimír Wagner mit Unterstützung des akademischen Malers Kern und des akademischen Bildhauers Hučko umfassend renoviert. Die Kirche ist einschiffig und hat einen geraden Abschluss. Der Hauptraum ist mit einem Zylindergewölbe, die Seitenkapellen mit einem Kreuzgewölbe geschmückt. Charakteristisch für den Innenraum ist der 1640 von Knilling und Stadler gefertigte Holzaltar. Der Hochaltar ist 21 Meter hoch und mit 42 Statuen verziert. Der malerische Stuckschmuck stammt von Rosso, Tornini und Conti. Die Deckenfresken wurden 1700 von Karl Ritsch und Franz Joseph Graffenstein gemalt. Da die Kirche von Napoleons Soldaten als Stall genutzt wurde, waren die Wände weiß getüncht. Glücklicherweise blieb durch diese Maßnahme die Originalbemalung der Kirche erhalten, die bei der letzten Renovierung restauriert wurde. Die Kirche dient auch als Veranstaltungsort für Vorträge und theologische Debatten. Zu den Besonderheiten der Kirche gehört das Katakombensystem unter dem Gebäude.

Inschrift/Symbol:

DIVO. JOHNNY. Baptisten. P. D. SQ / KOMMT. NIKOLAUS. EZTERHAZI. R.H. PAL.

Inventarnummer:

1440

Sammlung:

Werte-Repository

Wertklassifizierung:

Kommunaler Wert im Ausland

Gemeinde:

Nagyszombat   (Egyetem tér 3. - Univerzitné námestie 3.)