James-Palast
Gebäude, Struktur
Die Bauunternehmer, die Brüder Árpád und Géza Jakab, errichteten das Haus 1899 als ihr eigenes auf dem von ihrem Vater geerbten Grundstück außerhalb der ehemaligen Stadtmauer am Ufer des Flusses Malomárok. Die Familie zählt nicht zu den bedeutenden Architekten ihrer Zeit: János Gerles „Ungarische Architektur an der Jahrhundertwende“ (1990) widmet ihnen kein eigenes Kapitel und erwähnt neben dem Palast in Košice nur zwei ihrer Werke, die Villa in der Érmelléki-Straße 9 in Budapest (1914) und das Szakolca R. K. Gymnasium (1911). In Košice hatten sie noch mehr Arbeit. Als Bauunternehmer mit eigener Ziegelei beteiligten sie sich am Bau des Hotels Schalkház, der von Gyula Pártos entworfenen Jugendstil-Bürgerschule und des eklektischen Korpskommandos. Nach dem Umzug der Familie nach Budapest (1908) entwarfen sie auch die offizielle Residenz Virányos in den Budaer Bergen. Das Haus wies von Anfang an mehrere Besonderheiten auf, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zogen. So erwarben die Brüder Jakab beispielsweise die kurz zuvor von Frigyes Schulek restaurierten, ausrangierten Schnitzereien der mittelalterlichen Kathedrale und integrierten sie in ihren Palast. Dadurch erhielt die Villa aus der Jahrhundertwende eine jahrhundertealte Geschichte. Zum einen war der Palast im venezianisch-gotischen Stil erbaut, dessen repräsentative Rückfassade – ähnlich wie bei seinen Vorgängerbauten – auf den Kanal Malomárok hinausblickte und einen malerischen Anblick am Beginn der Straße zum Stadtpark bot, dem Erholungs- und Vergnügungsort des Bürgertums. Der örtliche Postkartenverlag nutzte dies ausgiebig und bewarb das neugotische Privathaus als „Palast des Architekten Árpád Jakab“. Das dritte, historisch entscheidende Merkmal des Gebäudes war, dass sein Fassadenturm den viertürmigen linken Torturm der Vajdahunyad-Burg in Budapest, die zur Jahrtausendwende erbaut worden war, detailgetreu kopierte. Dessen Bild wurde nach den Feierlichkeiten damals auf Tausenden von Postkarten im ganzen Land verbreitet. Die offensichtliche Verbindung zum alten Stammsitz der Hunyadi-Familie muss in Košice von besonderer Bedeutung gewesen sein, denn König Matthias prägte die Tradition und das Selbstverständnis der Stadt maßgeblich: Er besuchte sie mehrmals und trug mit seinen Spenden wesentlich zur Fertigstellung des Doms bei, dessen rechter Turm sein Wappen trägt. Bezeichnenderweise findet sich ein solcher Turm jedoch nicht in der ursprünglichen Burg Vajdahunyads: Árpád Jakab wollte nicht das Originalmonument kopieren, sondern dessen bekannte romantische Darstellung in seinem romantischen Privatpalast nachbilden. Diese Verbindung spielte sicherlich eine Rolle dabei, dass 1943, als die Stadt Košice zum 500. Geburtstag des Herrschers, der einen so großen Einfluss auf sie hatte, ein Denkmal errichten wollte, dieses an der Hauptfassade des damals noch in Privatbesitz befindlichen Jakab-Palastes gegenüber der Hernád-Straße aufgestellt wurde. Die Straße wurde zu diesem Anlass in den weitaus prächtigeren Matthias-Boulevard umbenannt. Das Haus, das so zu einem Wahrzeichen der Stadt wurde, erlangte bald eine weitere, wenn auch unerwartete, historische Bedeutung. Als die Rote Armee Košice als erste der größeren Städte im Hochland besetzte und deutlich wurde, dass die Slowakei nicht die Rolle des vorletzten deutschen Handlangers, sondern die des von Hitler zersplitterten, gemarterten Tschechoslowakei spielen sollte, hielt Edvard Beneš in diesem Gebäude die erste Sitzung der neuen tschechoslowakischen Regierung ab. Hier verkündete er das berüchtigte Regierungsprogramm von Košice, das die Kollektivschuld der Deutschen und Ungarn in der Tschechoslowakei erklärte. Eine Gedenktafel an der Hauswand erinnert noch heute an dieses Ereignis, als Gegenstück zum Matthias-Denkmal, und slowakischsprachige Stadtführer betonen diese historische Rolle ebenfalls. Nach dem Krieg wurde das Haus verstaatlicht und somit nicht nur symbolisch, sondern auch faktisch zu einem öffentlichen Gebäude der Stadt. Im Erdgeschoss befand sich der zentrale Hochzeitssaal, und im Obergeschoss diente der Saal als Sitzungssaal des Bürgermeisters von Košice. Darüber hinaus beherbergte das Gebäude auch den Verein der Eisenarbeiter. 1968 wurde der Malomárk im Sinne der sozialistischen Stadtplanung trockengelegt, und an seiner Stelle verläuft heute eine vierspurige Autobahn direkt am Fuße des Gebäudes mitten durch die Stadt. Rechtlich gesehen ist der Jakab-Palast jedoch weiterhin ein Privathaus. Die Erben von Hugó Barkányi, der das Haus 1908 vom Bauherrn erwarb, klagen noch immer auf die Rückgabe ihres Eigentums, während die Stadt verständlicherweise den denkmalgeschützten Palast nicht zurückgeben will. Dies zeigt, unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits, in welchem Maße das ehemalige Privathaus im Laufe seiner hundertjährigen Geschichte zu einem öffentlichen Gebäude und einem Symbol der städtischen Identität geworden ist.