Herr Hetényi
Sonstige - andere
In seiner Publikation „Samu Borovszkys Komitatstädte und -gemeinden Ungarns“ schreibt er über Hetény: „Der bedeutendste Zweig des Kunsthandwerks im Komitat Komárom ist das Kunsthandwerk von Hetény. Vor etwa 25 Jahren entstand in Hetény ein neues und sehr ertragreiches Handwerksgewerbe, das sich bis heute weiterentwickelt und bei guter Führung und Verbreitung eine vielversprechende Zukunft hat!“ In den 1870er Jahren war das Kunsthandwerk in Hetény ein florierendes Handwerk, wie die 7 cm große Gedenktafel aus Bronze belegt, die den Einwohnern von Hetény vom Jurykomitee der Millenniumsausstellung geschenkt und von Ödön Fülöp Beck gefertigt wurde. Das Besondere am Azsúr ist, dass das Muster nicht auf den Stoff gedruckt, sondern berechnet werden muss. Ursprünglich wurde es mit weißem Garn auf weißes Leinen gestickt. Später kam auch das Sticken auf rosa, hellbraunem und gelbem Panamastoff in Mode. Der dekorative Charakter dieser Häkeltechnik liegt darin begründet, dass durch das Herausziehen der Fäden in eine Richtung die quer verlaufenden Fäden auf unterschiedliche Weise gebündelt werden. Das Muster entsteht durch die Anordnung der Fäden. Die Grundregel beim Azsúrózás ist, dass man auf der Rückseite des Stoffes von links nach rechts arbeitet, dabei immer unter demselben Faden am unteren Rand des Grundstoffs näht und niemals einen Knoten macht: Zu Beginn wird das Fadenende von rechts nach links in den Rand des Azsúr eingeführt. In der Ausgabe von Komáromi Lapok aus dem Jahr 1895 wird Frau Margit Szelle, die Postmeisterin von Hetény, gelobt, die die handgefertigten Produkte der armen Frauen von Hetény sammelt und auf der Millenniumsausstellung präsentiert. Die Millenniumsausstellung galt als Generalprobe für die Pariser Weltausstellung von 1900, die nicht nur Margit Szelle, sondern auch Hetény großen Erfolg und Ruhm einbrachte. Margit Szelle erhielt eine Anerkennungsurkunde für ihre Spitzenstickerei. Auch die zeitgenössische Presse berichtete ausführlich über die Stickereien aus Hetény. In ihrer Oktoberausgabe 1906 schrieb sie über die Vorbereitungen für einen Weihnachtsmarkt und später darüber, dass die dort ausgestellten Handarbeiten großes Aufsehen erregten. Präsentiert wurden sie von „…zwei geschickten, attraktiven Bräuten aus Hetény, deren wunderschöne Kleidung so viel Aufsehen erregte, dass sie mit Aufträgen nach Hause zurückkehrten“. Der Artikel führt weiter aus, dass Hetény einen so großen Markt hat, dass die ständig steigende Nachfrage kaum noch bewältigt werden kann. Dank der Kurse wurden in den Nachbardörfern inzwischen nicht nur Azúros, sondern auch Toledo-Arbeiten hergestellt. Leinen und Panama wurden nach und nach durch die edleren Materialien ersetzt, aus denen Toledo gefertigt wurde. Die hohe Nachfrage nach Handarbeiten in den 1950er Jahren führte zu einem Qualitätsverlust. Durch die Gründung landwirtschaftlicher Genossenschaften blieb immer weniger Zeit für die sorgfältige Ausarbeitung jedes einzelnen Arbeitsstücks, was sich in der Gebrauchstauglichkeit und Haltbarkeit der Handarbeiten bemerkbar machte. Dennoch entstanden auch damals noch qualitativ hochwertige Arbeiten. Ernő Zajos und die noch nähenden Frauen belebten das Nähen in Hetény 1982 wieder. Sie führten die Jugendlichen jener Zeit nicht nur in die Technik des Trommelnähens ein, sondern ließen auch die alten Traditionen wieder aufleben. 2012 wurde dank der Unterstützung des Präsidialamtes der Slowakischen Republik in Hetény ein Nähclub gegründet, der jungen Menschen die Kunst des Azsúrózás (einer Stickart) näherbringen möchte. Die Nähkurse wurden von Katalin Geleta geleitet, die heute als anerkannte Expertin für diese Sticktechnik gilt. Auch an der örtlichen Grundschule gibt es einen Nähclub unter der Leitung von Lehrerin Ildikó Keszegh.