Bruckner Gyző
Sonstige - andere
* Késmárk, 1. November 1900 – † Budapest, 8. März 1980 / Organischer Chemiker, Pharmazeutischer Chemiker, Universitätsprofessor, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften; Sein Vater war 25 Jahre lang Mathematiklehrer und anschließend Direktor des Késmárk-Gymnasiums, an dem auch sein Sohn seine Schulausbildung absolvierte. Er erwarb 1925 einen Abschluss in Chemieingenieurwesen an der Technischen Universität Budapest und 1928 einen Doktortitel in Geisteswissenschaften an der Ferenc-József-Universität Szeged mit einer Arbeit über Physikalische Chemie (später befasste er sich ausschließlich mit Organischer Chemie!). Er lehrte von 1926 bis 1949 in Szeged. Von 1926 bis 1938 war er Mitglied des Instituts für Chemie der Technischen Universität Szeged (Ferenc József Universität für Wissenschaft und Technologie) und später Assistenzprofessor und Privatlehrer am Institut für Organische und Medizinische Chemie. Ab 1938 war er zunächst außerordentlicher und später ordentlicher Professor. Von 1949 bis 1970 leitete er die ELTE-Universität in Budapest. In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre forschte er einige Jahre als Gastwissenschaftler an Universitäten in Deutschland (Berlin-Charlottenburg) und Österreich (Graz). Er eignete sich die biochemischen mikroanalytischen Methoden des österreichischen Nobelpreisträgers Fritz Pregl an und verbreitete sie erfolgreich in Ungarn. In Szeged pflegte er gute Beziehungen zum Nobelpreisträger Albert Szent-Györgyi, der unter anderem Vitamin P entdeckte. Győző Bruckner wies nach, dass es sich bei dieser Substanz um ein Gemisch zweier Flavonoglykoside handelte. Er erzielte bedeutende Ergebnisse vor allem auf dem Gebiet der Erforschung medizinisch wirksamer Naturstoffe und entdeckte dabei grundlegende Reaktionsmechanismen (z. B. reversible N–O-Acylwanderung, Übertragung der Diensynthese auf aromatische Systeme). Ihm wird die theoretische Herleitung und praktische Umsetzung der Isochinolinsynthese zugeschrieben. Eine seiner wichtigsten Entdeckungen betraf Splenobacillus: 1937 stellte er fest, dass der Erreger seine hohe Resistenz einer Kapselsubstanz verdankt, die ein aus einer D-Glutaminsäurekette aufgebautes Polypeptid enthält, welches von Mikroorganismen, die L-Aminosäuren abbauen oder umwandeln können, nicht verarbeitet werden kann. Von da an widmete sich Győző Bruckner hauptsächlich der Peptidchemie. Um die Wende der 1950er und 1960er Jahre gelang unter seiner Leitung die weltweit erste künstliche Herstellung von adrenocorticotropem Hormon (ACTH) in der Hypophyse. Er war ein Pionier der Wissenschaft, und seine Schüler wurden später Professoren und herausragende Experten auf ihren Gebieten. Bruckner Győző erhielt zweimal den Kossuth-Preis (1949, 1955). Er war Mitglied zahlreicher ungarischer und ausländischer wissenschaftlicher Gesellschaften. Die Ungarische Akademie der Wissenschaften wählte ihn 1946 zum korrespondierenden und 1949 zum ordentlichen Mitglied. Sein gleichnamiger Onkel – Bruckner Győző (1877–1962) – war Rechtshistoriker und Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Sein jüngerer Bruder, Bruckner Zoltán (Késmárk, 11. Dezember 1902 – Budapest, 23. Juni 1958), wurde ebenfalls Chemieingenieur und war einer der Direktoren der ungarischen Kautschukindustrie. Als Kriegsgefangener in der Sowjetunion von 1945 bis 1950 forschte er an Baustoffen und entwickelte Bodenverbesserungstechnologien. Seine Hauptwerke: Organische Chemie I-III, 1952–1981.