Gútai-Wassermühle und überdachte Holzbrücke
Gebäude, Struktur
Die Kleine Tiefebene galt schon immer als eine der Kornkammern des Landes und wichtigste Getreideanbauregion. Vor der Einführung maschineller Mühlen wurden Weizen und andere Getreidesorten hier üblicherweise in Wassermühlen gemahlen. Seit dem Mittelalter gab es Wassermühlen, die die kinetische Energie des Wassers nutzten, in vielen Formen und Ausführungen. Eine davon war die sogenannte Schiffsmühle, die schwimmend auf dem Wasser arbeitete. Diese Anlagen, die je nach Mahlbedarf auch auf Flüssen verlagert werden konnten, verbreiteten sich im 18. und 19. Jahrhundert besonders an der Donau und der Waag. Manchmal, beispielsweise in Komárom und hier in Gúta, waren sie in besonders großer Zahl in inselartigen Gruppen angeordnet. Die schwimmenden Schiffsmühlen, wie die in Gúta, bestehen aus zwei separaten, schiffsähnlichen Elementen – einem kleineren und einem größeren. Das größere Schiff beherbergt die eigentliche Mühlenkonstruktion. Das große, unter dem Wasser hängende Wasserrad befindet sich zwischen den beiden Schiffsteilen. Der kleinere Schiffsteil diente hauptsächlich nur der Abstützung der Wasserradwelle. Die ältesten Wasser- und Schiffsmühlen bestanden fast vollständig aus Holz, und meist beherrschte der Müller selbst deren Bau. Die Maschinen der neueren Mühlen (Wellen, Zahnräder usw.) waren bereits aus Stahl gefertigt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wirkten sich der rasante Anstieg des Schiffsverkehrs und die durch Staudämme und Kraftwerke verursachten Wasserstandsschwankungen sehr ungünstig auf die Wasser- und Schiffsmühlen aus, die eine bereits veraltete Technologie darstellten: Sie verschwanden nach und nach von den Flüssen. Die letzte noch funktionstüchtige Schiffsmühle wurde 1965 in das Slowakische Dorfmuseum in Túrócszentmárton gebracht. Die Schiffsmühle ist kein Original, sondern eine detailgetreue Nachbildung einer Donau-Wassermühle aus dem Jahr 1920. Sie wurde 1983 auf der ehemaligen Werft in Komárom nach Plänen der Fakultät für Architektur der Slowakischen Technischen Universität errichtet. Viele Ausrüstungsgegenstände, Elemente und Maschinen, die ursprünglich zur Schiffsmühle gehörten, wurden in den Mühlenkörper integriert, doch einige Komponenten, vor allem jene zur Kraftübertragung, wurden durch neue ersetzt. In Europa prägten zahlreiche Wassermühlen das Stadtbild von Dörfern und Städten entlang der Flüsse. Auch in der heutigen Slowakei finden sich viele davon, vor allem an den Ufern der Donau und der Waag. Die Müller nutzten geschickt die Wasserkraft der Flüsse mit hohem Wasserdurchfluss, indem sie das Wasser auf das Wasserrad leiteten, dessen Rotation die Mühlräder in Bewegung setzte und so das Getreide über Zahnräder mahlte. Diese imposanten Bauwerke verloren jedoch im Laufe der Zeit allmählich an Bedeutung und wurden durch Dampfmühlen und später durch motorbetriebene und elektrische Mühlen ersetzt. Die Schiffsmühle von Gúta dient heute als Mühlenmuseum. Sie ist unter abenteuerlichen Umständen über eine 86 m lange, überdachte Holzbrücke (1992) erreichbar, die auf Holzpfählen errichtet wurde und die längste Holzbrücke Europas ist. Die Schiffsmühle und diese seltene Holzbrücke sind Teil eines Freilichtmuseums, das die lokale Volksarchitektur präsentiert. In der Nähe der Schiffsmühle wurde außerdem ein Zoo mit Haustieren eröffnet. Die Schiffsmühle von Gúta und ihre Umgebung sind ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem für Wassersportler, Radfahrer, Künstler und Naturliebhaber, und dienen als Veranstaltungsort für verschiedene kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Events (Konzerte, Camps, Tagungen, Wettbewerbe, Sportveranstaltungen).