Evangelische Kirche von Spišská Václava
Gebäude, Struktur
Die Lehren der Reformation wurden in Szepesváralja in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, genauer gesagt 1548, angenommen. Die Einwohner der Stadt konvertierten zusammen mit ihrem Pfarrer Jakab Blásy zum gemäßigten Luthertum, dem neuen Glauben nach dem augustinischen Glaubensbekenntnis. Es gab jedoch auch eine andere Spaltung der Bevölkerung. Die Kirche war damals vor allem ein Ort der sozialen Begegnung und des Informationsaustauschs. Wo möglich, wurden neue Kirchen für die neue Religion errichtet. Diese wurden entsprechend den Bedürfnissen und Vorstellungen der neuen Glaubensrichtung ausgestattet. So wurde beispielsweise 1614 eine Orgel in der Pfarrkirche installiert und eine neue Uhr im Turm angebracht. Mit dem Anstieg der Zahl der Lutheraner wurden auch neue Schulen gegründet, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Ein Beleg dafür stammt aus dem Jahr 1551. Allerdings war die Reformation in dieser Zeit noch nicht vollständig akzeptiert. Es folgte eine heftige Rekatholisierung, die den Fortschritt vorübergehend bremste. 1674 wurde die Kirche an die Katholiken zurückgegeben. Lutherische Gottesdienste fanden in Privathäusern statt. In den folgenden Jahrhunderten änderte sich die Situation dank der Herrscher. 1695 konnte die Lutherische Kirche ein Grundstück erwerben und darauf eine eigene Kapelle errichten. In dieser Kapelle wurden bis 1759 Gottesdienste abgehalten, oft unter eingeschränkten Bedingungen. Im selben Jahr erlaubte der neue polnische Starost Henrik Brühl den Lutheranern, im Garten hinter der alten Kapelle gegen Steuerzahlungen eine neue Holzkirche zu bauen. Die Ausstattung bestand aus Gemälden, einem Altar, einer Kanzel, einem Taufbecken und einer Orgel. Die Arbeiten wurden in drei Monaten abgeschlossen. 1783 fertigten zwei Bürger ein neues Taufbecken an. Ab 1788 hatten sie auch eine eigene Schule. 1794 brannten bei einem großen Brand sowohl die kleine Kirche als auch das Pfarrhaus bis auf die Grundmauern nieder. Aufgrund von Geldmangel und anderen Gründen konnten die Lutheraner an dieser Stelle keine neue Kirche errichten. Die Gottesdienste fanden daher in der Schule statt, auf deren Dach ein kleiner Glockenturm errichtet wurde. Die heutige klassizistische Steinkirche wurde von 1799 bis 1808 erbaut, der Name des Architekten ist jedoch unbekannt. Das Altarbild wurde nach 1810 von dem Levočaer Maler Czauczik gemalt. Das Taufbecken wurde 1783 aus der älteren Kirche hierher verlegt. Unter dem Chor befindet sich eine noch ältere Gedenktafel aus dem Jahr 1617. Zwischen 1829 und 1832 wurde nach den Plänen des Architekten der großen lutherischen Kirche in Levoča, Antal Povolny, ein Turm für die Kirche errichtet. Er beherbergte die Glocke, die 1823 in Pest gegossen worden war und zuvor in dem provisorischen Glockenturm zwischen Kirche und Pfarrhaus gehangen hatte. Das neue Pfarrhaus und die Schule wurden zwischen 1820 und 1822 von den Lutheranern aus eigenen Mitteln erbaut. Leider brannten sie am 19. April 1856 vollständig ab. Die Renovierung der Kirche verlief schleppend. Neue Ausstattungsgegenstände wurden hinzugefügt und der Turm 1871/72 wiederaufgebaut. 1889 wurde die Kirche neu gestrichen, die Ausstattung erneuert und eine neue Kanzel sowie eine neue Orgel errichtet. Diese wurden von der Orgelbauerfamilie Kolbay aus Szepesvár gebaut. Über hundert Jahre später, genauer gesagt zwischen 1992 und 1994, wurden mit Unterstützung der Stiftung Pro Slovakia das Dach und der Turm des Kirchenschiffs renoviert und die Fassade rekonstruiert.