Evangelische Kirche in Sajógömör, Außenansicht
Gebäude, Struktur
Die im neugotischen Stil erbaute Kirche überstand die beiden Weltkriege, doch während der kommunistischen Herrschaft verschlechterte sich ihr Zustand so sehr, dass sie seit den 1990er Jahren ununterbrochen renoviert wird. Der jetzige Pfarrer Dezső Rusznyák, der seit rund zwanzig Jahren in Sajógömör tätig ist, spielte eine entscheidende Rolle bei der Organisation der Renovierung. Nach dem Regimewechsel erhielt die Gemeinde finanzielle Unterstützung von den Gläubigen, verschiedenen Stiftungen, der Ungarischen Lutherischen Gemeinde und sogar der Stuttgarter Lutherischen Gemeinde. Dank jahrelanger harter Arbeit erstrahlt die Kirche heute wieder in vollem Glanz. Insbesondere die Innenrenovierung erforderte Fachkenntnisse. Diese Arbeiten wurden von dem Maler und Restaurator Marian Švec und seinen Assistenten Jana Gromanová und Róbert Bakó ausgeführt. Am 4. Juni dieses Jahres fand ein Dankgottesdienst statt. Zeitgenössischen Schriften zufolge ist das organisierte Gemeindeleben in Sajógömör fast so alt wie das Dorf selbst mit seiner reichen Geschichte. Eine Urkunde aus dem Jahr 1263 erwähnt bereits den Pfarrer der „Schlossbewohner von Gömör“. Diese konvertierten 1595 geschlossen zum Protestantismus, hielten aber zunächst an den Lehren Calvins fest. Ihr erster Pfarrer war Illés Doby (Elias Doby), der das Wort Gottes im reformierten Sinne predigte. Große Veränderungen ereigneten sich 1615, als die aus Rozsnyó verbannten Priesterlehrer mit ihren Schülern in Sajógömör Zuflucht fanden. Zu dieser Zeit schlossen sich auch die Einwohner Gömors den Anhängern Luthers an. Der bekannteste Pfarrer des 17. Jahrhunderts war Miklós Bugányi, der 1675 in Neapel wegen seines Glaubens ein tragisches Schicksal erlitt. Er diente seinen dankbaren und treuen Gemeindemitgliedern bis zum Abriss der alten Kirche. Selbst der Brand von 1853 konnte sie nicht zerstören. Sándor Petőfi schrieb über diese Kirche bei seinem Besuch: „Auf der Turmspitze befinden sich ein Kreuz, ein Stern und ein Halbmond. Was soll das bedeuten?“, fragte sich der Dichter. Die Erklärung könnte sein, dass das Kreuz damals von der römisch-katholischen Kirche angebracht wurde, der Halbmond aus der osmanischen Zeit stammt und der Stern während der Reformation hinzugefügt wurde. Um die alte Kirche herum befand sich – den damaligen Gepflogenheiten entsprechend – ein Friedhof, wie die beim Ausheben des Fundaments für die neue Kirche gefundenen Skelette belegen. Sie wurden später mit gebührendem Respekt umgebettet. Beim Bau der neuen Kirche blieb die ursprünglich mit Schießscharten versehene Steinmauer erhalten, was darauf hindeutet, dass die alte Kirche möglicherweise auch als Wehrkirche gedient hat. Das hölzerne Tor der Mauer steht noch heute; die Inschrift „ANNO 1710“, eingemeißelt, ist noch deutlich lesbar. Der Turm der neuen Kirche – der ca. Das 50 Meter hohe Fundament war noch das alte, doch 1868 erhöhte der Architekt József Nagy aus Gömörpanyti die Steinmauer um vier Ellen. Dies markierte den Beginn des Baus der neuen Kirche. Pastor István Czékus, später Bischof des lutherischen Kirchenbezirks Tisza Mellék, arbeitete 28 Jahre lang, um das nötige Kapital aufzubringen. Das Geld für den Kirchenbau wurde durch kleine und große Spenden, oft nur wenige Cent, gesammelt. Der Bau der Kirche – nach den Plänen des Budapester Architekten Károly Bakó – wurde von den Architekten András Peck und János Gothard aus Dobsina „in Absprache“ durchgeführt. „Sie errichteten alle Stein-, Holz-, Eisen- und Glasteile der neuen Kirche“, „da die Gemeinde ausreichend Stein, Ziegel, Sand und Transportmittel für den Bau bereitstellte“. Die Gemeindemitglieder halfen mit großem Eifer beim Bau der Kirche. Den alten Aufzeichnungen zufolge fuhren „immer mehr Wagen zur Arbeit, als eingeteilt waren“. Sie leisteten Arbeiten im Wert von etwa 500 Forint. Auch der Name des Stadtverwalters György Rákosi wird hier erwähnt, „der bei der Arbeitsverteilung unermüdlich im Einsatz war“. Die Hauptlast der Arbeit fiel jedoch auf die Schultern von György Mikola, der nun auf dem Friedhof von Sajógömör seine ewige Ruhe gefunden hat. Die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen wurden während des Kirchenbaus nicht unterbrochen. Der Schulhof der Grundschule diente als Gottesdienststätte, das Abendmahl wurde jedoch im Klassenzimmer gefeiert. Zu Pfingsten wurde der Schulhof mit weißen Birken mit leuchtend grünem Laub geschmückt, und der Gottesdienst fand dort statt. An Wochentagen beteten die Gläubigen jedoch zu Hause. Auch die Einrichtung und Dekoration der neuen Kirche, die erst 1886 fertiggestellt wurde, erfolgte mit großer Sorgfalt. Der Orgelbauer János Bakos baute eine neue Orgel. János Erősi, ein Bildhauer aus Rozsnyó, der auch sieben Jahre in London arbeitete, schuf die Kanzel und das Taufbecken mit einer „schlichten, aber ausdrucksstarken künstlerischen Gestaltung“. Das große Altarbild, das die Auferstehung Jesu darstellt, stammt von Ferenc Plachy, einem Maler aus Rimaszombat. Auch das darunterliegende kleine Altarbild, auf dem er das Letzte Abendmahl malte, ist sein Werk. Er stiftete es 1884 der Kirche in Sajógömör zum Andenken an seine verstorbene Frau Polexia Hevessy. An den beiden Altarflügeln befinden sich zwei vergoldete Statuetten. Die eine zeigt Martin Luther, den Initiator und eine der führenden Figuren der Reformation des 16. Jahrhunderts, die andere seinen engen Weggefährten Philipp Melanchthon. Die Südwand des Kircheninneren ziert ein großes Wandgemälde, das Martin Luther vor seinen Richtern auf dem Reichstag zu Worms am 18. April 1521 zeigt. Unter dem Bild prangt sein berühmter Ausspruch: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen.“ An der Nordwand befindet sich eine Gedenktafel für die Bürger von Sajógömör, die im Ersten Weltkrieg einen heldenhaften Tod fanden. An beiden Wänden hängen fünf kleinere Gedenktafeln aus weißem und schwarzem Marmor. Eine erinnert an Pastor Béla Mayer, der dem Herrn und seinen Gemeindemitgliedern in den schwierigen Jahren des 20. Jahrhunderts in diesem Dorf 38 Jahre lang unerschütterlich diente. Noch in den 1950er Jahren erklang jedes Jahr zur Weihnachtszeit um Mitternacht der wunderschöne Gesang des Kantors aus dem hohen Kirchturm und verkündete die Geburt des Jesuskindes. Der Gesang des Cantus ist längst verstummt, ebenso wie die stolze Turmuhr, die im Zweiten Weltkrieg an der Front beschädigt wurde. Die älteste Glocke der Kirche stammt aus dem Jahr 1754. Die große Glocke im Wert von 24.000 Kronen, die im Zweiten Weltkrieg für militärische Zwecke beschlagnahmt wurde, wurde der Kirche von Márton Deákpál geschenkt, die mittlere Glocke von András Cs. Csala für 14.000 Kronen und die kleine Glocke von Péter Adorján für 3.000 Kronen. Die Glocken werden nicht mehr von einem Glöckner geläutet, sondern elektrisch betrieben. Der Turm wurde mehrmals renoviert. Umfangreiche Renovierungen fanden 1992 und vor einigen Jahren statt, als er mit neuen Kupferplatten verkleidet und die ursprüngliche rötliche Farbe in ein dunkles Braun geändert wurde. Schließlich, zurück zur Bauzeit der neuen Kirche: Unmittelbar vor der Weihe am 25. September 1882 wurde im Altarraum, an der Stelle, wo die heiligen Kelche beim Abendmahl aufgestellt werden, eine Gedenktafel platziert. Sie war etwa 30 cm tief und in dickes Papier gewickelt, zwischen zwei Glasscheiben in einem Zinkkasten mit luftdicht verschlossenem Deckel. Dieser wiederum wurde zwischen zwei trockenen Holzbrettern und trockenen Ziegeln befestigt, um ihn vor Feuchtigkeit zu schützen. Die Gedenktafel trägt unter anderem die Inschrift: „Die evangelische Gemeinde Sajó-Gömöri ließ ihre baufällige, einsturzgefährdete Kirche abreißen und 1881/82 an ihrer Stelle einen Neubau errichten.“ Da in der alten Kirche keine Hinweise oder Dokumente aus ihrer Bauzeit gefunden wurden, wird diese kurze Beschreibung der Vergangenheit und Gegenwart von Stadt und Kirche, sofern die Zeit sie nicht verzehrt, als ewiges Andenken auf dem Altar niedergelegt. Die neue, immer noch schöne Lutherische Kirche wurde schließlich am 11. November 1882, dem Martinstag, geweiht und dient seither der augustinisch-lutherischen Gemeinde von Sajógömör.