Erdődy-Palast
Gebäude, Struktur
Bratislava, an der Westgrenze des Königreichs Ungarn gelegen, blickt auf eine lange Geschichte zurück und war im Mittelalter hauptsächlich von Deutschen und in geringerem Maße von Ungarn bewohnt. Die zuvor eher unbedeutende Stadt erlangte nationale Bedeutung, als die Türken Mitte des 16. Jahrhunderts das ehemalige Zentrum des Landes besetzten. Zu dieser Zeit wurden die wichtigsten Regierungsorgane nach Bratislava verlegt, das sicherer und näher an Wien lag, dem eigentlichen Sitz der ungarischen Könige der Habsburger Dynastie, wo das Parlament tagte und die Könige gekrönt wurden. Dies machte die Stadt zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen und Bildungszentren des Landes. In der ummauerten Altstadt ließen sich, insbesondere nach dem Frieden im 18. Jahrhundert, zahlreiche habsburgfreundliche ungarische Adlige und Kirchenvertreter prächtige, mehrstöckige Paläste im Barock- oder Klassizismusstil als Statussymbole errichten – die Reichsten besaßen sogar mehrere. Eines dieser Gebäude ist das prächtige Erdődy-Palais, gelegen an einer Ecke am Anfang der Venturstraße. Es wurde 1770 von Richter György Erdődy im Barockstil nach Plänen von Mathias Walch erbaut. Das Palais, das auf dem Grundstück dreier älterer mittelalterlicher Häuser steht, hat einen dreigeschossigen Grundriss, der an das unregelmäßige Eckgrundstück angepasst ist. Im 20. Jahrhundert wurden dem hohen barocken Mansarddach zwei weitere Stockwerke hinzugefügt. Die symmetrisch gestaltete, elfachsige Hauptfassade zur Venturstraße wird durch imposante Pilaster mit Kapitelln gegliedert, die das zweite und dritte Obergeschoss verbinden. Drei steinerne Tore zur Venturstraße führen zur Auffahrt und in den Innenhof. Das Palais wurde 2003 umfassend renoviert. Heute erwarten die Gäste eine Bar und ein Café, deren Wände mit Originalgemälden von Andy Warhol geschmückt sind. Hier befindet sich auch die größte Weinhandlung der Slowakei mit rund 400 verschiedenen Weinspezialitäten. Im Erdgeschoss befinden sich eine Diskothek sowie ein Umspannwerk, das die Altstadt mit Strom versorgt. Hier steht auch die größte Bar der Slowakei – ein 15 Meter langes Betonfundament.