Endre Kovacs Sebestyen
Sonstige - andere
* Ipolypásztó, 5. Januar 1861 – † Budapest, 5. Oktober 1915 / Chirurg, Krankenhausdirektor; Sein Vater, József Kovács Sebestyén, war Pfarrer von Ipolypásztó und wurde wegen seiner Teilnahme am Ungarischen Unabhängigkeitskrieg von 1848/49 zum Tode und anschließend zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Auch das Andenken an seinen Onkel, den bekannten Pester Arzt Endre Kovács Sebestyén Sr. (Garamvezekény), spielte eine entscheidende Rolle bei der Berufswahl seines Sohnes. Er absolvierte seine Schulausbildung am Reformierten Kolleg in Pápa und schloss sie 1878 ab. Anschließend erwarb er 1884 seinen Doktortitel an der Universität Budapest. Seine erste Anstellung fand er im Rókus-Krankenhaus in der Hauptstadt, wo er als Assistent des Chirurgieprofessors Sándor Lumniczer (1821–1892) sein zukünftiges Fachgebiet kennenlernte. Dank einer Stiftung, die zum Gedenken an seinen Onkel gegründet worden war, konnte er eine einjährige Studienreise nach Europa unternehmen und besuchte dabei die Klinik des berühmten Magenchirurgen Theodor Billroth (1829–1894) in Wien. 1885, während des Serbisch-Kroatischen Krieges, diente er als Chirurg im Belgrader Krankenhaus des Ungarischen Roten Kreuzes. Er hatte alle Voraussetzungen, um in Pest Karriere zu machen, doch sein Herz zog ihn zurück in seine Heimat, und 1889 ließ er sich in Ipolyság nieder, wo er zum Chefarzt des Komitats Hont gewählt wurde. 1896 inserierte er im Honti Lapok für den Bau eines Stadtkrankenhauses in Ipolyság, und seine Initiative war unerwartet erfolgreich: Dank der eingegangenen Spenden konnte das Krankenhaus am 10. Oktober 1900 in einer feierlichen Zeremonie eingeweiht werden. Erster Chefarzt war natürlich Endre Sebestyén Kovács. Während seines 15-jährigen Bestehens erlangte das Krankenhaus landesweite Bekanntheit. Der Direktor verdiente sich nicht nur die Anerkennung seiner Kollegen durch innovative chirurgische Eingriffe (so operierte er beispielsweise erfolgreich einen Jungen mit Typhus und Darmperforation!), sondern auch durch sein Bestreben, das Krankenhaus der kleinen Stadt mit modernster Technik auszustatten. Sein Entwurf für ein mobiles Krankenhaus zur Bekämpfung von Epidemien weckte ebenfalls nationales Interesse. Neben seiner Mitgliedschaft in verschiedenen Fachgesellschaften und Verbänden war er auch aktives Mitglied zahlreicher sozialer Organisationen. Er war auch sportlich begabt: Er war einer der Gründer des Hont-Kreisverbands des Ungarischen Leichtathletikvereins, ein guter Fechter und ein bekannter Reiter. Sein früher Tod war auf eine Blutvergiftung zurückzuführen: Bei einer Operation an einem im Zweiten Weltkrieg verwundeten Soldaten schnitt er sich mit einem Skalpell, die Wunde entzündete sich und infizierte sich. Hunderte Menschen warteten am Bahnhof von Ipolyság auf den Zug, der seinen Leichnam bringen sollte. 1917 wurde im Hof des von ihm gegründeten Krankenhauses eine Bronzebüste des Bildhauers Gyula Bezerédy aufgestellt. Ein Marmorgrabmal erinnert auf dem Friedhof von Ipolyság an ihn.