Csallóköz Dudelsacktradition
Kulturelles Erbe
Ein wesentlicher Bestandteil der Musikgeschichte von Csallóköz ist die Dudelsacktradition, die untrennbar mit der Kulturgeschichte der Region verbunden ist. Eine Musikkultur, deren Wurzeln in eine unvorstellbare Vergangenheit zurückreichen und die bis in die Volksmusiksammlungen des 20. Jahrhunderts archaisch blieb. Das Adjektiv „archaisch“ ist kein Zufall, denn die Ursprünge dieser eurasischen Musikkultur lassen sich tatsächlich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Im Laufe der Zeit hat sich das traditionelle, mundgeblasene Rohrblattinstrument kaum verändert; lediglich ein Schlauch wurde zur Klangerzeugung verwendet. Dieses mit einem Schlauch gespielte Rohrblattinstrument ist das, was wir heute als Dudelsack bezeichnen. Es ist wahrscheinlich, dass das Rohrblattinstrument neben seiner Funktion als frühestes Schlaginstrument schon bald auch eine magische und kultische Bedeutung hatte. So wurde sie zu einem untrennbaren Bestandteil der Kultur von Stammeskulturen und später von städtischen Zivilisationen und erreichte das 20. Jahrhundert in einer Weise, dass die Flötenmusiktradition, trotz der Entwicklung immer fortschrittlicherer Musikinstrumente, vollständig in das komplexe System der traditionellen Kulturen integriert war. Diese musikalische Tradition von Csallóköz wurde schon früh von der Volksmusikforschung entdeckt. Sie erregte die Aufmerksamkeit so berühmter Forscher wie Béla Bartók und László Lajtha, die klassisch ausgebildete Musiker waren und deren Interesse sich vor allem auf die Musik und ihre Merkmale (Melodie, Rhythmus, Verzierungen usw.) sowie auf die Typologie der Melodien erstreckte. Es wurde jedoch bald deutlich, dass musikalische Phänomene im komplexen System der traditionellen Kultur verankert sind und nicht von Text, Instrument, Ausführenden, Situation und Umgebung, in der die jeweilige Melodie aufgeführt wurde, getrennt werden können. Aufgrund dieser Problematik untersuchten bald Forscher musikalische Phänomene im größtmöglichen Kontext, sodass die Volksmusikforschung zu einem eigenständigen ethnographischen Feld wurde. György Szomjas-Schiffert, Tibor Ág, Ernő Barsi, Béla Marczell, Gergely Agócs, Iván Nagy u. a. untersuchten bereits die Dudelsacktradition von Csallóköz mit diesem Ansatz. Ihre Forschung zeigt, wie die Dudelsacktradition in das komplexe System der traditionellen regionalen Kultur integriert war. Neben der Unterhaltung bei Tanzveranstaltungen überlebte die Dudelsackmusik vor allem als Teil alter Kalenderbräuche. Der Dudelsackspieler und die Dudelsackmusik sind fester Bestandteil der meisten Kalender- und Gemeinschaftsbräuche von Csallóköz und eng mit wichtigen Ereignissen im menschlichen Leben verbunden (Weihnachten, Karneval, Hochzeiten usw.). In fast allen Fällen ist die uralte, fast magische Bedeutung des Dudelsacks und seiner Musik deutlich erkennbar. Gleichzeitig sind diese Traditionen untrennbar mit der neolithischen Form der Landwirtschaft, der Weidewirtschaft, verbunden. In der weiten, auenartigen Landschaft der Region entwickelte sich eine spezifische Hirtenkultur, zu deren Besonderheiten auch eine eigene Musiktradition zählt, deren markantestes Element die Dudelsacktradition war.