Die Tradition des Heiligen Ladislaus in Debrecen
Kulturelles Erbe
Soweit den Einwohnern von Debrecen bekannt ist, ist ihr Dorf die nördlichste Siedlung mit ungarischer Bevölkerungsmehrheit im Karpatengebirge. Obwohl es traurig ist, dass nur wenige Dutzend Kilometer nördlich von uns, an der ungarisch-slowakischen Grenze, keine Siedlung mehr mit ungarischer Bevölkerungsmehrheit existiert, sind wir stolz auf unsere jetzige Situation. Es mag viele Gründe für diese Beharrlichkeit geben, doch wir sehen unseren gegenwärtigen Erfolg und die Grundlage unserer Zukunft in der Verehrung und Förderung unseres Ritterkönigs, des Heiligen Ladislaus. Der Legende nach rastete der Heilige Ladislaus, der im Mittelalter vielleicht sogar höher verehrt wurde als unser erster König, nach einer Schlacht gegen die Kumanen mit seinem Heer auf einer Lichtung genau hier, genauer gesagt am Dorfrand. Er ruhte sich nicht nur aus, sondern schöpfte mit dem Hufeisen seines Pferdes Wasser für seine durstigen Soldaten und betete dabei zum Schöpfer. Dieses Wunder prägte sich unauslöschlich in das Gedächtnis der Einwohner von Debrecen und der Umgebung ein. So sehr, dass auf der Lichtung eine Kirche errichtet wurde, die später dem Heiligen Ladislaus geweiht wurde und in den folgenden Jahrhunderten zu einem Wallfahrtsort wurde, der selbst aus fernen Regionen besucht wurde. Laut unseren schriftlichen Quellen ließ Domonkos Bátkay, Propst von Jászóvár, um 1500 hier eine Steinkirche erbauen. Einige seriöse Forscher datieren den Ursprung eines Teils der Kirche jedoch deutlich älter. Sicher ist, dass die Jahrhunderte dem Gebäude zugesetzt haben, sodass es im 20. Jahrhundert vollständig verfallen war. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeugten nur noch vereinzelt aus dem Boden ragende Kalksteine von der einstigen Kirche. Damals beschloss die Bevölkerung von Debrecen unter der Führung von Pfarrer László Frankovics und Bürgermeisterin Anna Papp, die Kirche zu renovieren und ihr zu altem Glanz zu verhelfen. Im Frühjahr 2006 begannen die Bauarbeiten nach den Plänen des Architekten Gábor Tamás und wurden nach über einem Jahr abgeschlossen. Das Ergebnis ist eine einzigartige Pflanzenkirche im Karpatenbecken, die sich harmonisch in ihre Umgebung einfügt. Bürgermeisterin Anna Papp erlebte die Wiedereinweihung der Kirche leider nicht mehr. Seit 2007 findet an diesem heiligen Ort jährlich am St.-László-Tag oder dem darauffolgenden Samstag eine Abschiedsfeier statt. Die Besucherzahlen steigen stetig, und die Veranstaltung gewinnt in Oberungarn und ganz Ungarn zunehmend an Bekanntheit.