Die Villa Lechner in Losonc

Die Villa Lechner in Losonc

Gebäude, Struktur

Ödön Lechner, der bedeutendste Vertreter des ungarischen Jugendstils (1845–1914), entwarf nicht nur die Blaue Kirche in Bratislava, sondern auch das Haus in der Jókai-Straße 13 in Losonc. Das Gebäude, das heute als Kindertagesstätte genutzt wird, wurde 1910 als Familienvilla des Emaillefabrikanten György Rakottyai (1858–1914) erbaut. Die konkaven und konvexen Wandflächen der langen Straßenfassade, der geschwungene, herzförmige Giebel, das intarsienverzierte Portal und die schmiedeeiserne Gittertür mit floralem Rankenmuster ziehen die Blicke der Passanten auf sich und erinnern an die Blütezeit des Gebäudes. Die charakteristischen Lechner-Stuckdekorationen – blaue Fliesen – gingen bei der Rekonstruktion nach der Verstaatlichung teilweise verloren, doch einige der verbliebenen Dekorationselemente an der Fassade glänzen im Sonnenlicht. Zwischen Foyer und Flur befinden sich über dem Türrahmen besonders schöne, geätzte Glasfenster mit „Lechner“-Linien, die an die Blaue Kirche in Bratislava erinnern. Das prächtige, mit blaugrünen Fliesenintarsien verzierte Gewölbe im Foyer ist erhalten geblieben, ebenso der Stuckbogen über dem Flur und der schwarz-weiße Zierboden in den Fluren. Die Räume bestechen durch besonders schöne, filigrane Stuckdecken. Tritt man aus dem langen Flur des Hofteils des L-förmigen Gebäudes, gelangt man in einen besonderen Raum, der auch in seiner veränderten Form ein faszinierendes visuelles Erlebnis bietet. Dieser Hof birgt eine reiche Sammlung von Elementen der Jugendstilarchitektur und -dekoration. Das Haus schließt mit einer Art Apsis ab. Zwei große Bäume schmücken den Innenhof auf natürliche Weise. Hinter dem Baum im hinteren Bereich verbirgt sich ein überraschendes, schlossartiges Bauwerk. Eine Reihe künstlicher Steinsäulen führt zu der aus Naturstein errichteten Bastion. Die Kapitelle der Säulen sind mit charakteristischen Jugendstilmasken verziert. Die Wände des einzigartigen Gebäudes weisen Reliefs und allegorische Skulpturen auf. Bezeichnenderweise ließ der aus einer Handwerkerfamilie stammende Fabrikant sein „Schloss“ mit Reliefs schmücken, die Arbeiter und Arbeitsszenen darstellen.

Inventarnummer:

13594

Sammlung:

Werte-Repository

Gemeinde:

Losonc