Das Nagyszombat-Theater
Gebäude, Struktur
Das älteste Steingebäude Oberungarns ist das Theatergebäude: Es wurde 1831 im Empirestil nach den Plänen des Architekten Bernhard Grünn erbaut. Die Theateraufführungen fanden zunächst auf Deutsch, später auf Ungarisch und aktuell auf Slowakisch statt. Der Pannonische Spiegelsaal wurde 1907 errichtet. Sein Zuschauerraum bot 548 Plätze, was für die damalige Zeit und die örtlichen Gegebenheiten sehr groß (fast schon überdimensioniert) war. Die erste deutschsprachige Aufführung fand am Weihnachtstag 1831 statt, die ungarischsprachige 1844 und die erste slowakischsprachige 1869. Auf dem Bühnenbogen zeugen vergoldete Buchstaben von der Großzügigkeit der damaligen Gesellschaft: Aere sociali, MDCCCXXXI. – An der Fassade befindet sich folgendes Chronosikon: IsthanC aeDeM ThaLIae posVIt senatVs aC popVIVs TIrnaVIensIs. Die Theaterkunst in Nagyszombat erlebte einen Aufschwung, als Fürst Miklós Esterházy 1692 für 500 Francs ein festes Theater errichten ließ und vier Jahre später seine wertvolle, aus Venedig mitgebrachte Garderobe dem Theater stiftete. Aus ungarischer Sicht gewannen die Aufführungen jedoch erst an Bedeutung, als die von den Jesuiten organisierten lateinischen Aufführungen ungarisch wurden. Dies ist den Ordensgemeinschaften zu verdanken, die später die Leitung der Jugendarbeit übernahmen. In Nagyszombat sind diese Aufführungen übrigens seit rund 200 Jahren ein ständiges Thema von Interesse. Die Lehrkräfte und die Jugendlichen des dortigen katholischen Erzbischöflichen Gymnasiums pflegten, den guten Traditionen der Institution entsprechend, mit Begeisterung nicht nur das Theater, sondern auch die Musik, wie die Theateraufführungen und Konzerte belegen, die später durchschnittlich zweimal jährlich stattfanden. An diesen Aufführungen wirkten stets die Jugendlichen des Instituts unter der Anleitung ihrer Lehrer mit. Die Aufführungen stellten hohe künstlerische Ansprüche, insbesondere im Bereich der Musik, wo Werke klassischer Autoren oft begeistert interpretiert wurden. In jüngerer Zeit wurden sogar Opern aufgeführt, die trotz Eintrittsgeldern ebenfalls gut besucht waren. Die Autoren der Schuldramen stammten übrigens größtenteils aus dem Lehrkörper, darunter János Scharrenbeck, János Berger, Ferencz Komlóssy, József Márton und Dr. Zoltán Horváth (Daten von József Simkó und Dr. Győző Duschek). In Nagyszombat – wo im Internat des Gymnasiums ein wunderschönes Theater für Schultheaterstücke entsteht, das über 12 Logen und mehrere Sitzplätze verfügt und auch Platz für ein 50-köpfiges Orchester bietet – gewann auch die weltliche Dramenliteratur an Bedeutung, sodass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein festes Stadttheater errichtet wurde, in dem, im Einklang mit der Magyarisierung der Stadt, das ungarische Theater immer mehr Raum einnahm.