Bela Gerster
Sonstige - andere
* Košice, 20. Oktober 1850 – † Budapest, 3. August 1923 / Wasserbauingenieur; jüngerer Bruder von Árpád Géza Gerster. Er absolvierte seine Schulausbildung in Košice und studierte an der Technischen Universität Wien, wo er ab 1874 als Stadtbaumeister tätig war. Anschließend arbeitete er in Budapest in den Unternehmen seines Schwagers István Kauser. Ab 1877 war er als leitender Ingenieur am Bau des Ferenc-Kanals beteiligt und entwarf die Route der Schifffahrtskanäle Vukovar-Samac und Oberer Kulpa. Er erlangte große Bekanntheit als Mitglied der internationalen Expedition zur Planung des Panamakanals. Auf Anregung von István Türr wurde er daher auch in die Planung des Kanals von Korinth einbezogen. Die Bauarbeiten begannen 1882 mit dem symbolischen Spatenstich durch den griechischen König. Die Bauleitung übernahm Béla Gerster als leitender Ingenieur der Kanalbaugesellschaft. Vier weitere ungarische Ingenieure wirkten am Bau des Kanals mit: István Kauser, László Nyári, Garibaldi Pulszky und István Stéghmüller. Gerster nutzte dabei das sogenannte englische Schneideverfahren, das damals als modernstes galt, und begann mit rund viertausend Bauarbeitern, die 80 Meter hohe Landenge zu durchschneiden. Der Kanal ist 6.345 Meter lang, 8,5 Meter tief und 25 Meter breit. Gleichzeitig wurden zwei Häfen und eine Brücke für die Peloponnes-Eisenbahn errichtet. Der Kanal wurde im August 1893 fertiggestellt. Gerster beschrieb die Bauarbeiten ausführlich in seinem Buch „Die Landenge von Korinth und ihre Durchquerung“ (1894), das zunächst auf Ungarisch und 1896 in einer französischen Ausgabe in Budapest erschien. Die Publikation enthält außerdem Fotografien, technische Zeichnungen und präzise Karten. Auch die internationale Fachpresse der damaligen Zeit berichtete ausführlich und mit großer Anerkennung über seine Arbeit. Er wirkte an der Entwicklung von Türrs großangelegten Plänen zur innerstädtischen Wasserwirtschaft mit. Später befasste er sich hauptsächlich mit dem Eisenbahnbau und überwachte die Planung und den Bau von dreizehn Eisenbahnstrecken. 1919 übernahm er die Leitung der Bauleitung des Donau-Theiß-Kanals.