Gusztáv Bárczi, Kratina
Sonstige - andere
* Nyitraudvarnok, 13. September 1890 – † Budapest, 9. August 1964 / Arzt, Sonderpädagoge, Hochschulprofessor; 1910 erwarb er in Léva sein Lehrdiplom. Anschließend setzte er sein Studium in Budapest fort. Zunächst schloss er 1913 sein Studium der Sonderpädagogik und 1921 sein Medizinstudium an der Pázmány-Péter-Universität ab. Er verspürte jedoch den Wunsch, zusätzlich die Facharztprüfung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde abzulegen. 1922 gründete er zusammen mit Béla Török (1871–1925) die Gehörlosenschule, die sich auf die Ausbildung Gehörloser spezialisierte. Bis 1942 unterrichtete er Blinde, Sprachbehinderte und geistig Behinderte in verschiedenen Einrichtungen. Parallel dazu schloss er sein Medizinstudium ab, forschte, publizierte, lehrte ab 1939 an der Hochschule für Sonderpädagogik und praktizierte als niedergelassener Arzt und Schularzt. Er engagierte sich im öffentlichen Berufsleben, war Mitglied des Nationalen Rates der Sonderpädagogischen Institute und Präsident mehrerer Berufsverbände. In den 1920er Jahren lehrte er zudem Schulhygiene am Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit. Er war Herausgeber der Zeitschrift „Siketnéma Oktás“. Als Direktor des Staatlichen Sonderpädagogischen Instituts in der Alkotás-Straße in Budapest erlangte er auch international Bekanntheit. Ab 1948 leitete er die Abteilung der organisatorisch selbstständigen Hochschule, blieb aber weiterhin beruflich und gesellschaftlich aktiv. Bereits in den 1930er Jahren war er ein gefragter Redner auf internationalen Kongressen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Seine theoretischen und systematischen Arbeiten werden ebenfalls berücksichtigt, sein wissenschaftliches Forschungsgebiet umfasste jedoch vor allem die Sonderpädagogik für hör- und geistig behinderte Menschen. Er befasste sich mit der Hörpädagogik und wertete umfangreiches Forschungsmaterial aus. Seine Methode zur sonderpädagogischen Förderung von kortikal taubstummen Menschen machte ihn weltweit zu einem Pionier der Hörpädagogik. In den 1930er Jahren begann er sich mit der Pädagogik von Menschen mit geistiger Behinderung – vorwiegend von solchen mit leichter Behinderung – auseinanderzusetzen. 1958 war er persönlich an der Gründung eines Instituts für Menschen mit leichter und schwerer geistiger Behinderung in Brandenburg-Görden (damals DDR) und an der Entwicklung seines sonderpädagogischen Programms beteiligt. Die Einrichtung erhielt den Namen Bárczi-Haus. 1953 wurde ihm der Kossuth-Preis verliehen. Die Fakultät für Sonderpädagogik der ELTE in Budapest wurde nach ihm benannt. Seine Hauptwerke: ; Probestunden im Gesundheitswesen, 1928; Die Schulung der ungarischen Sprachlaute, 1928; Leitfaden zur Gesundheitserziehung, 1935; Die Vererbung der Taubheit und die damit verbundene Prävention, 1936; Erweckung des Gehörs – Hörerziehung, 1938; Praktische Phonetik und Korrektur von Sprachfehlern, 1950 Physiologische Aspekte des Unterrichts in Aussprache, Lesen und Schreiben für Sonderpädagogen, 1954; Allgemeine Sonderpädagogik, 1959.