Armenhaus
Gebäude, Struktur
Das Chronostikon nennt 1719 als Baujahr des Armenhauses. Demnach könnte der wohlwollende Graf es anstelle des 1710 beim Brand zerstörten „Hospitals“ errichten lassen haben. Sein künstlerischer Wert liegt im Giebel, in dem Statuengruppen in drei Nischen angeordnet sind: links die Pietà, in der Mitte die Heilige Dreifaltigkeit und rechts die Gruppe des Heiligen Florian. Allein die Tatsache, dass das Armenhaus so reich verziert war, ist bemerkenswert. Dies lässt sich durch die Großzügigkeit des Stifters erklären. Über den Meister der Statuen ist nichts bekannt. Ihr Stil deutet auf einen gebildeten Künstler hin und weist keine Ähnlichkeit mit Denkmälern aus Rožňava auf. Möglicherweise ließ der Graf sie fertig von anderswo herbringen. Sie deuten zudem auf eine frühere Entstehungszeit als 1719 hin. Vielleicht stammen sie von einem Bildhauer aus Košice. Die schwungvollen Faltenwürfe der Kleidung sind dem Meister besser gelungen als die etwas grob gezeichneten Gesichtszüge. Die Figur der Jungfrau Maria in der Pietà, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält, zeigt den Einfluss Michelangelos. Die Falten des Gewandes an den Knien sind großzügig angeordnet und wirken trotz der geringen Größe beinahe monumental. Die Modellierung des Körpers Christi ist weniger gelungen. Die Muskeln der Gliedmaßen sind verkümmert, der Oberkörper krampfhaft nach hinten gebeugt. Die Dreifaltigkeitsgruppe wirkt wie eine Schablone. Links befindet sich der Sohn mit dem Kreuz, rechts der Vater in Gestalt eines alten Mannes, darüber der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. In der Mitte unten kniet Maria mit einer Krone auf dem Haupt. Auch hier sind die Falten des Gewandes großzügig. Die Figur des heiligen Florian in der dritten Nische zeugt am deutlichsten von der individuellen Vorstellungskraft des Meisters. Links steht der Heilige ruhig mit einem ehrfürchtigen Lächeln. Sein Attribut unten rechts: das brennende Haus, auf das ein Engel Wasser aus einem Eimer gießt, woraufhin die Flammen erlöschen. Dieser Engel verströmt über den gesamten Giebel eine heitere Ausstrahlung. Ein Lächeln liegt auf seinem naiven, liebenswerten Gesicht. Hier konnte der Künstler weder den dramatischen Ausdruck, den er in der Pietà angestrebt hatte, noch die Treue zur Tradition, wie bei der Heiligen Dreifaltigkeit, durchsetzen. Die Statuen wurden koloriert. Spuren der Kolorierung sind hier und da noch erkennbar, beispielsweise etwas Blau an den Falten des Gewandes der Schmerzensmutter und gelbe und rote Flecken an der Heiligen Dreifaltigkeit. Am deutlichsten ist die Kolorierung an der Figur des Heiligen Florian zu sehen: zinnoberrote Falten des Gewandes.