Academia Istropolitana
Gebäude, Struktur
Die Bulle von Papst Paul II. vom 19. Mai 1465, in der er König Matthias Hunyadi (Regierungszeit 1458–1490) zur Gründung einer Universität in Ungarn ermächtigte; Zuvor hatten König Ludwig der Große (Regierungszeit 1342–1382) 1367 und Sigismund von Luxemburg (Regierungszeit 1387–1437) 1395 Hochschulen in Pécs gegründet, doch diese Einrichtungen stellten ihren Betrieb um 1410 ein, selbst nach den wohlwollendsten Schätzungen. Mit Matthias Hunyadi bestieg 1458 ein großzügiger Gönner den ungarischen Thron, der von seinen humanistisch gebildeten Vertrauten, darunter Kanzler János Vitéz, der zum Erzbischof von Esztergom ernannt worden war, ermutigt wurde, das zuvor in Italien erworbene Wissen in Ungarn zugänglich zu machen und so die Zahl der ungarischen Studenten zu vervielfachen. Die Bulle vom 19. Mai 1465 ermächtigte Matthias, an einem Ort seiner Wahl eine Universität mit frei wählbaren Fakultäten zu gründen und ihren Lehrenden regelmäßige Gehälter zu zahlen. János Vitéz wollte die nach dem Vorbild der Universität Bologna organisierte und ausgestattete Institution in seinem eigenen erzbischöflichen Sitz ansiedeln. Da jedoch István Gmaintl, ein Bürger Bratislavas, sein Vermögen der Staatskasse vermachte, öffnete die Academia Istropolitania – die griechisierte Form der Istropolis Bratislava – 1467 in dieser Stadt ihre Pforten. Hauptorganisator der Universität war Vitéz, der großzügig sein Privatvermögen stiftete und, dem deutschen Vorbild folgend, auch die Leitung der Institution als Kanzler übernahm. Auf Matthias’ Einladung hin kamen viele international renommierte Dozenten nach Ungarn, um zu lehren, darunter Regiomontanus, ein Vorläufer des kopernikanischen Weltbildes, der polnische Astronom Márton Ilkusz und der italienische Theologieprofessor Johannes Gattus. Die königliche Unterstützung zeigte sich in der Finanzierung von Dozenten, und Taddeo Ugoleto, der Vorgesetzte des Corvinus, richtete sogar eine Bibliothek für die Universität ein. Die Blütezeit der Institution lässt sich auf die Jahre 1467–70 datieren, nachdem sich Matthias’ Verhältnis zu seinem intriganten Kanzler verschlechtert hatte und der Glanz der Academia Istropolitana verblasste. Mit dem Tod Johanns des Tapferen im Jahr 1472 verließen die berühmten Lehrer Bratislava, und nach der Herrschaft Matthias’ wurde der Lehrbetrieb offiziell eingestellt. Aus der Zeit Władysławs II. (Regierungszeit 1490–1516) geht hervor, dass das Universitätsgebäude als Waffenkammer genutzt und die Dachziegel entfernt wurden. Die Stadt Bratislava hatte jahrhundertelang keine Hochschule: Obwohl Ferdinand II. (Regierungszeit 1619-1637) die Gründung einer neuen Universität plante, wurde diese erst 1784 durch ein Dekret von Joseph II. (Regierungszeit 1780-1790) wiedereröffnet.